Rührend und furchtbar, wenn Maria erzählte, wie der Harte, Verschlossene aufgegangen war in Liebe zu dem gefallenen Freunde, wie er den Lebenden vertilgte, indem er den Toten erweckte!
Christianus bemerkte, daß Maria mit ihrem Gefühl viel weniger als er in dem Entsetzlichen stand, wie hier ein Mensch den andern mit Erinnrungsherzblut erstickte, und viel mehr in dem Entzücken über die Kraft und Heftigkeit dieser Hingabe. Er begann, diese Freundschaft zu fürchten.
Zwar, wenn Maria heraufkam und die Gespräche halber Nächte vorbrachte, die Lippen mit einem verwegenen Lächeln bewegend, und doch wie in einem Märchen befangen, das Christianus wie ein großer Zauberer beherrschte, wußte er: er war ihrer sicher.
Aber eines Abends trat sie herein und hatte einen entlegenen Glanz im Auge.
Christianus fragte.
Sie erzählte.
Der Starblinde habe gegen alle Tröstungen Heinrichs prophezeit, der Meister werde auferstehen. Da habe Heinrich geantwortet: „Blinder, du hast recht; nur willst du mit tausend Schritten ermessen, was wir Sehenden mit einem Blick erfassen: er ist auferstanden; er ist in uns, für die er gestorben ist, auferstanden.“
Damit schwieg sie. Christianus wartete.
Aber sie hielt es für besser, jene wunderbaren Worte für sich zu behalten, die Heinrich danach mit einer deutlichen kleinen Wendung zu ihr hinüber gesprochen hatte — wobei er seine Stimme hatte metallner und seine Schritte straffer werden lassen —: „Das könnt ihr nicht nachdenken, dies: daß ich, der ich genesen — wie ihr sagen würdet, auferstanden — bin, mich wie von Licht und Luft begraben fühle; daß ich sagen möchte, ich sei auferstanden, wenn ich in der Erde läge.“
Christianus begriff immerhin. Er richtete sich auf und befahl ihr, den Versammelten und Heinrich — auch Heinrich! Heinrich besonders! — zu sagen: der Blinde habe recht; er werde auferstehen.