Maria teilte Christianus mit, daß Heinrich käme, die letzten Wochen heilender Wunde bei ihr und der Gemeinde zu verbringen.

Von dieser Wunde konnte Christianus nicht sprechen hören. Ein Widerstand, ihm selber unbehaglich, wehrte sich wie mit tausend Armen gegen ihre Nähe, und wie mit tausend Armen griff eine Begierde kalt und angst aus ihm heraus nach Maria.

Er saß neben ihr; er suchte Worte, tiefe, tiefere Worte; er versuchte, diese granitnen Blöcke, die Stirn, Kopf, Leib heißen, wegzuwälzen, wegzubrechen von seinem Gedanken, von der weißen Gestalt, die innerst in ihm leuchtet: plötzlich warf er sich steil zurück.

Eine Kraft durchstemmte seine Glieder, daß alles Steinerne, Versteinte an ihm aufsprang: seine Mienen begannen zu flattern, daß sie nur noch wie Schatten über einem aufgedeckten Gesichte schwammen; er hob die Arme: „Es ist wie ein Ungeborenes und doch Empfangenes“ und legte sie an Mariens Brust und ihr Gesicht in beide Hände: „Hilflos.“

Dies Weibverwandte hatte sie von je an ihm geliebt; aber dies Neue, Übermannende war hinzugekommen: es war das erste Mal, daß er sie leiblich berührte; seine Hände lagen warm und dicht von ihren Schläfen herab zu den Wangen; wie sollte da ihr Kopf nicht alles umdeuten, was ihm und ihr bis jetzt entgegen gewesen war!

Sie war zufrieden; sie hatte ihn begriffen. Sie hatte ihn begriffen, trotzdem er nichts gesagt hatte.

Er liebt mich, dachte sie.

Und: es ist geschehen! jauchzte in ihm jeder Atemzug. Die weiße Gestalt ist ihr aufgegangen; ich trage sie nicht mehr allein in mir. Das Unüberwindbare ist überwunden; der Anfang alles Geschehens ist geschehen. Was hindert noch, daß die Dämme aufbrechen allerorts? Daß alle erkennen, was mich berufen hat? Es wird geschehen.

Geduldig überstand er die Hölle unter seinen Füßen, die Versammlungen, deren Geräusche allabendlich zu ihm heraufschlugen.

Heinrich machte die Zusammenkünfte zu Gedächtnisfeiern für den Toten.