Maria war über allem; im Wasser seiner Augen, in Tränen tanzte ihr Licht vor ihm her, wachsenden Glanzes, bald unerträglichen Feuers, bis sie am Wegende erloschen, jedes Licht mit stumpfem Grauen austupfend, vor ihm stand.
Auch das erstaunte ihn nicht. Kräftigend ging der Schlag durch ihn. Es würde einen Kampf gelten. Er würde an einen Widerstand geraten, der so groß wie die Welt werden und nur eine Grenze haben würde: den engen Raum, den seine sieben Rippen umschlossen und in dem die weiße Gestalt stand. Dagegen würden sie anrennen; anrennen, unwissend, gegen wen.
Vorerst hatte er das Bedürfnis zu schlafen. Er fragte Maria nach nichts, sondern stieg, sich mit keinem Blick umwendend, die Treppe hinauf in die Dachkammer. Da legte er sich neben das Bett auf den Fußboden, streckte sich wie ein Hund aus, den Hals zurückgedehnt: schlafen!
Immer mehr wurden ihm die Stunden des Schlafs glückselige Stunden und die des Wachens peinvoll erregte.
Er hängte, wenn er wachte, die Arme durch die Dachluke auf die heißen und rauhen Ziegel und starrte die Spitzen drüben des Doms an, um die die Dämmrung aufkam und der Abend einfiel. Die Speiteufel schrumpften bläulich zusammen, blähten sich rötlich an ihn heran. Darunter brodelten mit gurgelnden und platzenden Schaumbläschen die Geräusche der Stadt.
Das Fürchterlichste war, in der Nacht zu erwachen. Unmöglichkeit, etwas zu unternehmen, Lähmung, gebundene Glieder hingen da an einem, daß ein Wünschen nach Tag, Tätigkeit, Lärmen in Schweiß ausbrach.
Plötzlich war er bei Maria: als habe er Wand, Decken, alles Räumliche durchbrochen. Und dann haftete sein Blick, sein Wort, seine Gebärde so heftig in ihr, daß sie sich im Schmerz wand.
Sie verstand ihn nicht; sie wollte ihn nicht verstehen. Wenn sie in dem allen nur eine Faser Gefühl für sich, für ihre Demut, für ihre Hingabe entdeckt hätte, sie hätte sich daran geklammert; aber er redete — halb schien es, ohne sie anzusehen. Sie war ihm gegenüber immer in einem Wunsche befangen und sie empfand: sich die Hand geben, bei jedem Vorübergehen Worte sprechen, sich anblicken — bei andern Menschen sind die Tage ausgefüllt von solchen Dingen; bei uns sind sie durch solche Dinge leer.
Er wiederum nahm ihre Sorgfalt um die Sachen seines Alltags als nichts. Gewiß: sie tat alles — sie verbarg ihn; er erkannte das an; aber seine Dankbarkeit war nichts als ein Verzeihen. Sie ist ein Weib, sagte er sich; sie versteht mich nicht; also soll sie mir dienen.
Da geschah es eines Tages, daß dies alles anders wurde.