UNBEKANNTER DICHTER
Dein Bildnis strahlt in meinen Augen,
Dein Name lebt in meinem Mund,
Du selber wohnst in meinem Herzen, –
Wie wär es möglich, o Geliebte,
Daß du dich je vor mir verbirgst?
DIE ROTEN FINGERNÄGEL
KALIF YAZID IBN MOAUJA
Als ich ihr dann begegnete, da sah ich,
Daß ihre Fingernägel purpurrot
Von Farbe waren; und ich sprach zu ihr:
„Du Böse färbst dir deine Nägel rot
Und machst dich schön, wenn ich nicht bei dir weile?“
Darauf entgegnete sie ernst und still:
„Die Eitelkeit ist meinem Herzen fremd.
Du Schlimmer schiebst mir eine Absicht zu,
Die ich nicht kenne. Hör die Wahrheit an:
Du, meine einzige Stütze und mein Halt,
Du bliebst so grausam lange fern von mir,
Daß blutige Tränen meinem Aug entströmten.
Mit diesen Händen hab ich meine armen
Augen getrocknet. Weißt du nun, woher
Das blutige Rot an meinen Nägeln stammt?“