Denkst du daran …
Denkst du daran, wie du zum erstenmal
Aus deiner Heimatberge düsterm Forst
Aus dunklem Tannengrün des hohen Harzes
Als Knabe niederschautest in die Ebne? –
Die Welt ist bunt! so riefst du jauchzend aus.
Da dehnten sich die farbigen Felderstreifen
Vor dir hinab wie Blätter eines Fächers,
Entfaltet an den runden, sanften Hügeln –
Und also farbig rings die weite Welt!
Und reichlicher und dreimal leuchtender
Als drinnen in den schwarzen Tannenwäldern
Schien drüberhin das Sonnengold zu gluten …
Die Welt ist bunt! – O wär' sie bunt geblieben.
Der Abenteurer.
Hier ist das Land. So rudert denn den Kahn zurück
Und meldet den Gefährten: Ich betrat mein Reich,
Als Fürsten sehen sie mich wieder, oder nie. –
Was steht ihr noch und zaudert? Laßt mich nun allein,
Allein mit meinem guten Schwert und meinem Roß –
Nun werb' ich in der Fremde mir die eigene Schar. –
Lebt wohl! – dem wandelbaren Meere kehr' ich heut
Den Rücken zu – mein Auge sucht die Burgen auf,
In deren Mauern sich der Feige sicher fühlt.
Mein Auge sucht am Horizonte seinen Feind. –
Der Huftritt meines Rosses klingt an morsch Gebein,
An Menschenschädel – mich zu schrecken sind sie wohl
Vom Schicksal auf des Reiches Schwelle ausgestreut?
Zerstampfe sie, mein Schwarzer, stampfe über sie hinweg:
Sie waren nicht, der ich bin – darum fielen sie.
Elegie.
Du meines Blutes Unruh', heimliche Liebste du,
Die du verstohlen nur die dunklen Blicke schenkst,
O laß aus deinen schweren Flechten braune Nacht
Um meine Sinne strömen – laß Vergessenheit
Sich breiten über niegestillte Lust und Qual.
Ich seh' uns wandeln unterm kahlen Winterwald,
Ins Morgenrot, durch streifende Lüfte ging der Weg.
Wir Frohen schritten Hand in Hand und beteten stumm
Und glaubten an den Frühling, als der Schnee noch lag …
– Du sollst nicht weinen – gib mir deine liebe Hand! –
Der Frühling kam, uns beide fand er nicht vereint;
In Sommernächten duftete süß der Lindenbaum –
Wir aber durften nicht in Liebe beisammen sein.
Nun ward es wieder Winter und es starrt der Schnee.
Doch still aus Schmerzen sprießt uns wohl ein spätes Glück,
Das leise webt und langsam um uns beide her.
Laß uns umhüllt von deinen braunen Haaren sein,
Du meines Blutes Unruh', heimliche Liebste du.
Kinderköpfchen.
In scheuer Lust – doch nimmermehr verschämt –
Hobst du die runden, weißen Arme auf
Und dehntest sie empor und suchtest blinzelnd
Dein Bild im Spiegel …