Die Hand ganz lang im Grase ausgebreitet
Und hoch vor ihr die Welt, sich selbst geschenkt.
Es steigt mein Blut, es sinkt mein Blut,
Zu fernem Meere tief verbunden hingelenkt.
Wie tut das Blut sich gut in dieser ausgeschwärmten Ruhe.
So flach ist mein Gesicht, ganz ausgeweitet.
Gott selbst liegt neben mir und ruht sich aus.
Auf mich senkt sich die Müdigkeit des Blaus,
Und in dem Sonnenfieber meiner Sinne
Staut schläfrig sich das dunkle Blut.
Wie einer Grille Geigen klingt mir Gottes Wort,
Wie Bachgelächter hier: „Die Welt ist gut“,
Und lächelnd trägt es mich ins Träumen fort.
Gott rekelt sich in dieser ausgeschwärmten Ruhe.
Ein Reh kommt sanft an ihm vorbeigezogen.
Ein Käfer ist ihm ins Gesicht geflogen.
Heupferdchen springt vom Gras auf seine Schuhe
Und zirpt an ihm vorbei: „Erschrick, erschrick!“
Gott aber ist nach tausend Schöpfungsjahren
Zum ersten Tag der Ruhe ausgefahren,
Und lächelnd ruht auf seiner Welt der Blick.
Ich wache auf. Der Donner grollt.
Mein Blut hat ausgetollt.
Mein Mut wird nicht verführt. Es schweigt der Wille.
Und eine Grille geigt von neuem mich in eine grüne Stille.
Frühlingsmond.
Noch hängt ein scheues Vogellied im dünnen Laubgeäste
Und wird ein großer Wind. Mit mächtiger Gebärde
Stößt die Erde, die längst den heißen Saft
In Millionen Samenkörner preßte,
Geburten aus in Mutterleidenschaft
Und trägt den ewigen Rhythmus ihrer Riesenkraft,
Die ewige Not, zum Jubel eines ewigeren Werde.
Jetzt bäumen Meere ihre Pantherleiber.
Die Sterne stürzen zum Planetenball.
In diesen Nächten stöhnen tausend Weiber
Und werfen tausend Kinder in das All.
Der Hochgebirge Wollust sind Lawinen.
Die Quellen sind der Täler Blütenlauf.
Den Duft von Wäldern tragen junge Bienen,
Und Tage tauen blau zu Blumen auf.
Geliebte gehn mit weißen Brüstehügeln
Und einem Lächeln, das von selbst begann,
Durch süße Nächte, gehen wie mit Flügeln
Und tragen sich wie ein Geschenk zum Mann.
Ein scheues Vogellied hängt noch im Laubgeäste.
Vom Horizonte schwebt der junge Mond
Wie eine Knospe, die sich zärtlich schont,
Und horch, der Vogel ruht in seinem Neste.
Der Knospenmond blüht erst zum Sommerfeste.
So schwimmt er sanft auf taubenblauem Dunst.
Der Abend, der die Seelensehnsucht an ihn preßte,
Verheißt uns schon die Rose seiner Gunst.
Abend am See.
Schon taucht der Mond aus dem entzückten Bade
Der Wellen leis zur Silberbahn empor.
In unsern Herzen schwingt die große Gnade.
Wir sitzen seligruhend am Gestade
Und leihn dem Schweigen das geweihte Ohr.
O wunschlos stille Stunde, die ich fast verlor
In meines Lebens Kampf und Qual und Hast,
Sieh unser Herz in Demut eingefaßt
Und sei der Seelen seltner schöner Gast.
Die Nacht erduftet von des Mondes Blüte
So grenzenlos. Andächtig atmen wir.
Der Sternenhimmel deiner großen Güte
Ist sanft wie sie und leise über mir.
Aus wunden Händen haben wir die Ruder
Zurückgelegt in das bewegte Boot.
Nach unsres Lebens Haß und Schuld und Not
Nennst den Geliebten still du deinen Bruder.