Du Gott.

Du Gott, ich hasse dich in meinen schwersten Stunden,
Der wie Gebirge mir auf meiner Seele wuchtet.
Die Erde meines Leibes reißt du auf in Wunden.
Zu tiefer Täler hartem Abgrund schluchtet
Mir deine schwere Hand die schönen runden
Kugeln der leichten Tage. Die ihr Gott verfluchtet,
In jeder Not von tausend Todesstunden
Steht Gott vor euch, den ihr so leicht versuchtet.

Und dieses weiß ich, daß ich dein bin, dein, ganz dein.
Was frommt es, zu entfliehn zu leichten Tänzerein,
Zur Heiterkeit der Fraun, zu einem Fest?

Aus meinem Haß hörst du nur Liebe schrein,
Daß ich ganz dein bin, dein in Pein und Tänzerein,
Daß ich dein Acker bin, dein Feind, dein Glanz und Fest.

Der Teich.

Nur der Wind weiß, wie ich einsam leide,
Wie die Luft, der Himmel mich beschwert.
Bruder Wind, wir flogen einmal beide
Durch die Luft und durch den Himmel hin.
Unsres Fliegens Wollust war gemeinsam.
Ewige Fernen haben uns genährt.
Wasserwolken haben mich getragen,
Bis in Regenfunken ewig einsam
Ich vom Wolkenflug zur Erde glitt.
Bruder Wind, nimm du jetzt meine Klagen,
Wie die leichten Wolken meine Seele,
Meine schöne Seele, mit.

Max Herrmann.

Geboren am 23. Mai 1886 zu Neiße. – Verbannung 1919.

Dein Haar hat Lieder …

Dein Haar hat Lieder, die ich liebe,
Und sanfte Abende am Meer –
O glückte mir die Welt! O bliebe
Mein Tag nicht stets unselig leer!