Die Blinde:
Ich bin eine Insel und allein.
Ich bin reich.
Zuerst, als die alten Wege noch waren
In meinen Nerven, ausgefahren
Von vielem Gebrauch:
Da litt ich auch.
Alles ging mir aus dem Herzen fort,
Ich wußte erst nicht wohin;
Aber dann fand ich sie alle dort,
Alle Gefühle, das, was ich bin,
Stand versammelt und drängte und schrie
An den vermauerten Augen, die sich nicht rührten.
Alle meine verführten Gefühle …
Ich weiß nicht, ob sie Jahre so standen,
Aber ich weiß von den Wochen,
Da sie alle zurückkamen gebrochen
Und niemanden erkannten.

Dann wuchs der Weg zu den Augen zu.
Ich weiß ihn nicht mehr.
Jetzt geht alles in mir umher,
Sicher und sorglos; wie Genesende
Gehn die Gefühle, genießend das Gehn,
Durch meines Leibes dunkles Haus.
Einige sind Lesende
Über Erinnerungen;
Aber die jungen
Sehn alle hinaus.
Denn wo sie hintreten an meinen Rand,
Ist mein Gewand von Glas.
Meine Stirne sieht, meine Hand las
Gedichte in anderen Händen.
Mein Fuß spricht mit den Steinen, die er betritt,
Meine Stimme nimmt jeder Vogel mit
Aus den täglichen Wänden.
Ich muß nichts mehr entbehren jetzt,
Alle Farben sind übersetzt
In Geräusch und Geruch.
Und sie klingen unendlich schön
Als Töne.
Was soll mir ein Buch?

In den Bäumen blättert der Wind;
Und ich weiß, was dorten für Worte sind,
Und wiederhole sie manchmal leis.
Und der Tod, der Augen wie Blumen bricht,
Findet meine Augen nicht …

Der Fremde (leise):
Ich weiß.

Herbst.

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
Als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
Sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
Aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
Unendlich sanft in seinen Händen hält.

Der Schauende.