Ich sehe den Bäumen die Stürme an,
Die aus laugewordenen Tagen
An meine ängstlichen Fenster schlagen,
Und höre die Fernen Dinge sagen,
Die ich nicht ohne Freund ertragen,
Nicht ohne Schwester lieben kann.

Da geht der Sturm, ein Umgestalter,
Geht durch den Wald und durch die Zeit,
Und alles ist wie ohne Alter:
Die Landschaft, wie ein Vers im Psalter,
Ist Ernst und Wucht und Ewigkeit.

Wie ist das klein, womit wir ringen,
Was mit uns ringt, wie ist das groß;
Ließen wir, ähnlicher den Dingen,
Uns so vom großen Sturm bezwingen, –
Wir würden weit und namenlos.

Was wir besiegen, ist das Kleine,
Und der Erfolg selbst macht uns klein.
Das Ewige und Ungemeine
Will nicht von uns gebogen sein.
Das ist der Engel, der den Ringern
Des Alten Testaments erschien:
Wenn seiner Widersacher Sehnen
Im Kampfe sich metallen dehnen,
Fühlt er sie unter seinen Fingern
Wie Saiten tiefer Melodien.

Wen dieser Engel überwand,
Welcher so oft auf Kampf verzichtet,
Der geht gerecht und aufgerichtet
Und groß aus jener harten Hand,
Die sich, wie formend, an ihn schmiegte.
Die Siege laden ihn nicht ein.
Sein Wachstum ist: Der Tiefbesiegte
Von immer Größerem zu sein.

Von den Fontänen.

Auf einmal weiß ich viel von den Fontänen,
Den unbegreiflichen Bäumen aus Glas.
Ich könnte reden wie von eignen Tränen,
Die ich, ergriffen von sehr großen Träumen,
Einmal vergeudete und dann vergaß.

Vergaß ich denn, daß Himmel Hände reichen
Zu vielen Dingen und in das Gedränge?
Sah ich nicht immer Großheit ohnegleichen
Im Aufstieg alter Parke vor den weichen
Erwartungsvollen Abenden, – in bleichen
Aus fremden Mädchen steigenden Gesängen,
Die überfließen aus der Melodie
Und wirklich werden und als müßten sie
Sich spiegeln in den aufgetanen Teichen?

Ich muß mich nur erinnern an das alles,
Was an Fontänen und an mir geschah, –
Dann fühl ich auch die Last des Niederfalles,
In welcher ich die Wasser wiedersah:
Und weiß von Zweigen, die sich abwärts wandten,
Von Stimmen, die mit kleiner Flamme brannten,
Von Teichen, welche nur die Uferkanten
Schwachsinnig und verschoben wiederholten,
Von Abendhimmeln, welche von verkohlten
Westlichen Wäldern ganz entfremdet traten,
Sich anders wölbten, dunkelten und taten,
Als wär das nicht die Welt, die sie gemeint …

Vergaß ich denn, daß Stern bei Stern versteint
Und sich verschließt gegen die Nachbargloben?
Daß sich die Welten nur noch wie verweint
Im Raum erkennen? – Vielleicht sind wir oben
In Himmel andrer Wesen eingewoben,
Die zu uns aufschaun abends. Vielleicht loben
Uns ihre Dichter. Vielleicht beten viele
Zu uns empor. Vielleicht sind wir die Ziele
Von fremden Flüchen, die uns nie erreichen,
Nachbaren eines Gottes, den sie meinen
In unsrer Höhe, wenn sie einsam weinen,
An den sie glauben und den sie verlieren,
Und dessen Bildnis, wie ein Schein aus ihren
Suchenden Lampen, flüchtig und verweht,
Über unsere zerstreuten Gesichter geht …