Notturno.
Ich liege ganz still.
Der Nachtwind rauscht leise vorbei.
Eine große Sehnsucht zieht mich noch tiefer.
Diese Sehnsucht – nach – ich weiß nicht was!
Das macht so traurig.
Ich möchte – ich weiß nicht was!
Ich denke an ferne, ferne Zeiten …
Tiefernst!
Mir ist, als ob der Friede
Sich in meine Seele legt –
So wundersam bewegt!
Der Pappeln Wipfel flüstern.
Wir sitzen still und schweigen.
– – – Wir wollen noch einmal trinken –
Und dann – betrunken sein!
Die große Sehnsucht.
Wenn die große Sehnsucht wieder kommt,
Wird mein ganzes Wesen wieder weich.
Und ich möchte weinend niedersinken –
Und dann möcht' ich wieder maßlos trinken.
René Schickele.
Geboren am 4. August 1883 in Oberehnheim (Elsaß). – Die Leibwache 1914. Mein Herz, mein Land (Auswahlband) 1915.
Der Knabe im Garten.
Ich will meine bloßen Hände aneinander legen
Und sie schwer versinken lassen,
Da es Abend wird, als wären sie Geliebte.
Maiglocken läuten in der Dämmerung,
Und weiße Düfteschleier senken sich auf uns,
Die wir eng beieinander unsern Blumen lauschen.
Durch den letzten Glanz des Tages leuchten Tulpen,
Die Syringen quellen aus den Büschen,
Eine helle Rose schmilzt am Boden …
Wir alle sind einander gut.
Draußen durch die blaue Nacht
Hören wir gedämpft die Stunden schlagen.