Drum, bin ich auch in mancher Stunde wie verdammt,
Ich weiß trotzdem: ein Schein von meinem Blut,
Wo ich auch bin, ob schlafend oder wach, umflammt
Mein Tun mit einer Glorie innerlicher Glut.
Darin ist alles das enthalten, was die Väter,
Ob sie Soldaten, Bauern, Sünder oder Beter,
Mit ganzem Herzen ausgelebt zu meiner Hut.

Johannes Schlaf.

Geboren am 21. Juni 1862 zu Querfurt in der Provinz Sachsen. – Helldunkel 1899. Das Sommerlied 1905.

Sehnsucht.

Wie ich dich überall sehe, du Meine
Und Eine!
Immer du so fern-nah!
Gegenwärtig und doch nicht da!
Immer nur Spuren und Spuren –
Viel, ach! wie viel!
Im Wandern folg' ich ihnen,
Zu welchem Ziel?
O du, o Dunkelgewillte!
Wann, wo empfängt der Niegestillte
Seine Ruh? –

Hoffnung.

Ein weißes Grau hüllt weit den Himmel ein.
Ein stumpfer Glanz liegt auf den Uferweiden.
Träge, mit gurgelnden Wellen treibt der gelbe Strom.
Ich muß mich noch bescheiden.
Ich will noch ein Stückchen so weitergehn.
Bald müssen ja alle Höhn
In hellen Frührotfeuern stehn …

Abendgang.

Und ich führte das blonde Jungfräulein
In den weiten, schleiernden Abendfrieden hinein.

Nebel über die Wiesen gingen,
Und vom Bache durch das braune Dunkel kam ein Singen.
Am Himmel alle unsre goldenen Geigen hingen.