Schönheit ist Atem. Aber Brot ist Brot.
Und Tausend hungern. Und die Mühlen mahlen.
Und Königstische wissen nichts von Not.
Und Tausend beten nachts zu ihren Qualen.

Und Mütter fiebern, wie kein Fieber schlägt,
Weil ihre Kinder schwer im Schlafe wimmern.
Die Mütter hören's, daß man Bretter trägt,
Um einen rohen Armensarg zu zimmern.

Und unterdessen lauscht die heilige Nacht,
Und unterdessen wird das Licht erkoren,
Und unterdessen hat die Schönheit acht
Auf jede Perle, die der Tau geboren.

Mignon.

Wer in die Nacht geht, müßt' mich sehn
Am Wege auf dem Stein –
Mein Krug und Wanderstecken stehn
Im hellen Mondenschein.

Die Schuhe hab' ich abgetan,
Das Haar ist aufgelöst,
Ich hab', als wüßt' ich keinen nahn,
Auch meine Brust entblößt.

Der Nachthauch kühlt mich wie ein Bad.
Alle Wanderer ferne gehn. –
Nur wer die Erde begraben hat,
Kann mich hier sitzen sehn.

Am Abend.

Komm, denn der Abend kommt.
Wir haben ihn so wild ersehnt.
Nun ist er da. Wie er im Mantel
Sich an die alten Pappeln lehnt.

Jetzt schlägt er seine Wimpern auf
Und sieht uns an und nickt uns zu.
Hat er nicht ganz dieselben Augen,
Nicht ganz denselben Mund wie du?