Einen Sohn wird sie gebären,
Dem mein Kreuz im Herzen steht,
Der für seiner Mutter Zähren
Eurer Kinder Häupter mäht.

Waldweben.

Zwischen duftigen Büschen
Stieß ich auf einen Quell;
Meinen Mund zu erfrischen,
Dünkt' er mich rein und hell.

Als ich mich satt getrunken,
Träumend wankt' ich zur Stadt,
Bin aufs Lager gesunken,
Fiebernd und todesmatt.

Hat kein Arzt sich gefunden,
Dessen Kunst mich geheilt;
Werd' auch nimmer gesunden,
Bis mich der Tod ereilt. –

Ei du mein durstiger Knabe,
Streife nicht durchs Gebüsch;
Bleib bei der Mutter und labe
Fromm dich am Kaffeetisch.

Franz Werfel.

Geboren am 10. September 1890 zu Prag. – Der Weltfreund 1911. Wir sind 1913. Einander 1915. Gesänge aus den drei Reichen 1917. Der Gerichtstag 1920.

Wie nichts erkennend.

Ich reichte einem Kranken meine Hand
Und gab ihm Wunsch und Mitgefühl bekannt.
Doch während treulich meine Worte waren,
Sprach wohl ein Herz, das nur sich selbst empfand.
Mittäglich sah ich einen Droschkenstand,
Wo sich beweglich alte Gäule sonnten.
Da hat ein klarer Kopf sich umgewandt
Und tief durchfühlt traf mich ein schweres Auge.
Bin aber dumpf des eigenen Wegs gerannt
Und nicht durchfloß mich dieses Bruderleben.