Geboren am 23. Januar 1874 zu Friedrichshafen am Bodensee. – Erde 1896. Neue Lieder 1902. Der Wanderer und der Weg 1908.
Der Garten.
Das rote Weinlaub hängt von Sonne voll,
Ich trete ohne Schmerz in deinen Garten,
Nach langer Zeit. Auf dieser Holzbank schwoll
Einst unser junges Sehnen, und wir starrten
In manche blaue Nacht. Nun bist du tot
Drei bunte Jahre. Die Kastanien fallen.
Nun ist mir, fühle ich ihr braunes Rot,
Es müßten deine leichten Tritte hallen.
Noch fließt der alte Tropfsteinquell so klar,
Und mächtig drückt mich eine süße Schwere,
Als ob der irre Duft von deinem Haar
Noch irgendwo in diesen Büschen wäre.
Meine Mutter …
Meine Mutter sang
Über meine Wiege,
Bis zu Flur und Stiege
Flog der süße Klang.
Meine Mutter wand
Garn im Sonnenscheine,
Und sie hatte eine
Zarte weiße Hand.
Mutter war sehr schön,
Hör' ich alle sagen,
Und ich will nicht klagen,
Daß ich's nicht gesehn.
Flocken.
Leise, leise fallen weiße Flocken,
Fall'n wie einstens, als dein Fuß mit Beben
In mein Haus trat, als ich hell erschrocken
Ahnte, daß ein Wunder sich begeben …
Als der Nachthauch unsre Pulse kühlte,
Droben lichte Kinderstimmen klangen …
Als ich deine schauernden Arme fühlte,
Die so einzig meinen Hals umschlangen …