Als ein trunkner Schrei aus meiner Kehle
Fuhr, der lang' in meinem Haus gewaltet …
Als zum ersten Male deine Seele
Ihre Zitterflügel froh entfaltet …
Wandlung.
Das Leben, glaubte ich, sei rot von Rosen,
Man brauche nur in sein Gestrüpp zu greifen,
Um hunderte an einem Tag zu streifen …
Wohl griff ich Rosen, mehr noch Herbstzeitlosen.
Die Wünsche warf ich weg; sie narrn mich nimmer.
Ist so mein Herz um manche Hoffnung leerer,
Ist es dafür um eine Weisheit schwerer,
Und mich belebt ein heller, harter Schimmer.
Ich blicke kälter. Doch: schenkt mir im Wandern
Das Leben plötzlich eine Rose wieder,
Dann blicke ich wie trunken auf sie nieder:
Sie glänzt ja röter als die hundert andern.
Walter Calé.
Geboren am 8. Dezember 1881 zu Berlin. Gestorben ebenda am 3. November 1904. – Nachgelassene Schriften 1907.
Wir tauchten aus dem Strom …
Wir tauchten aus dem Strom, der jenseit fließt,
Und wo wir eines waren willenlos,
Und wandeln nun für eine kurze Weile
In argen Fesseln unter Raum und Stunden,
Wir gehen Wege, welche weit getrennt sind,
Und nur mit Blicken, welche trösten sollen,
Von fern uns winkend – eine kurze Weile,
Bis daß wir wieder zu dem Strome tauchen
Und wieder eines sind und willenlos.