Nach einer Woche ungefähr war Mimi leidlich wiederhergestellt. Als er sie das erstemal ausführte, lenkten sie ihre Schritte in jenen Park, in dem sie sich das erstemal geküßt hatten. Sie fanden auch die Bank wieder, auf der sie damals gesessen hatten, und da gerade ein schöner sonnendurchwobener Tag war, ließen sie sich für ein Weilchen auf dem vertrauten Sitze nieder. Mimi sah noch bleich aus, aber sie wurde von einem unsagbar wohligen Gefühl durchströmt, wie es die Genesenden zu empfinden pflegen. Er hatte seinen Arm in den ihrigen gelegt, und ihre Hände ruhten vereint in Mimis Schoß. Das Mädchen sprach mit sanfter Stimme:

»Jetzt sind die Bäume leer. Damals hing noch fast alles Laub zu unseren Häupten. Weißt Du noch?«

»Ich weiß.«

»Damals küßtest Du mich in großer Liebe. Hast Du mich noch so lieb?«

»Ja, ja, ja, ich habe Dich noch so lieb. Immer.«

Er mußte, indem er es sagte, an das Bild denken, das auf seinem Herzen lag. Daher kam die Innigkeit in seine Stimme. Aber er vergaß, Mimi zu küssen.

»Warum küßt Du mich nicht?« fragte sie.

»Mimi, warst Du sehr schön, als Du sechzehn warst? Schön wie ein Engel warst Du, glaube ich.«

»Ich verstehe Deine Worte nicht. Hast Du mich nicht mehr lieb?«

»Doch, doch. Aber ich gäbe meine Seligkeit hin, wenn ich Dich hätte sehen können, als Du sechzehn warst.«