»... zuviel getanzt ...«, murmelte sie und schloß die Augen wieder.
»Ja«, sagte ich.
»... nicht böse sein ...«, flüsterte sie, lächelte und griff nach meiner Hand.
Wie hätte man ihr böse sein können? –
Zuweilen gingen wir ins Theater. Auch Konzerte besuchten wir, und hier bewies sie ein auffallend feines Verständnis. Die Musik wirkte am nachdrücklichsten auf sie. Es konnte geschehen, daß sie nach einem Konzert, von dem sie besonders heftig bewegt worden war, noch im Traum die Melodien zu singen versuchte, die sie am Abend gehört hatte. Wir sangen auch allerlei Lieder in den Wäldern. Denn wir gingen viel in die dunkeln, leise rauschenden Kiefern, die sich um die Stadt hinziehen. Wir ließen uns auf dem hohen Ufer des Flusses nieder, wo die wilden Enten fliegen, sahen über den Fluß in die Ebene, ließen unsere Augen den großen Kähnen folgen, die langsam stromabwärts trieben, und Ebeths Hand ruhte auf meiner Schulter. Traumhafte Stunden des Sonnenunterganges, wo seid ihr?
Es war an einem Regentage im Herbst. Wir waren in meinem Zimmer, Ebeth lag müde und blaß auf dem Diwan, und der Regen sickerte sanft an das Fenster, in eintöniger Melodie. Ich saß neben ihr, wir schwiegen beide. Plötzlich schlang sie die Arme um mich, zog mich an sich und drückte meinen Kopf unsinnig heftig an die Brust. Ich sagte nichts. Allmählich wurde sie ruhiger. Dann nahm sie auf einmal meine Hand, biß mit aller Kraft hinein, daß das Blut kam, und wollte sich totlachen. Die Narbe dieser Wunde ist eine der wenigen Erinnerungen an Ebeth, die ich habe.
Einige Tage später war ein Sonnentag; dennoch sieht dieser Tag grau aus in meiner Erinnerung.
Sie kam des Nachmittags, Blumen in der Hand, und war wie immer. Nur etwas hutsamer schien sie und ein klein wenig ernster als sonst. Wir tranken Kaffee, plauderten, und Ebeth nähte etwas. Als dann das rötliche Licht der Abendsonne in den Gardinen hing, setzten wir uns ans Fenster und sahen den feinen, schnell dunkelnden Wolken über den Dächern zu. Ebeths Augen blickten schimmernd in die Ferne. Als ich genau in sie hineinsah, fand ich, daß etwas darin war, was ich noch nicht kannte. Wir schwiegen. Ein paarmal war mir, als wolle sie etwas sagen. Endlich sprach sie, ohne mich anzusehen, während sie ein Haar von mir zwischen die Zähne nahm:
»Weißt Du, daß wir uns trennen werden?«
Ich fühlte einen Stich in der Brust, bezwang mich jedoch und fragte: