Ich sah, wie sie rasend fortjagte, und konnte nichts dagegen tun. Hallo, dachte ich, was wird das werden? Sie hielt sich eine Weile, dann merkte ich, die Kräfte verließen sie, sie taumelte hin und her und fiel schließlich zu Boden. Glücklicherweise blieb sie nicht im Bügel hängen, ich atmete auf. Das Pferd machte kurz darauf halt, sah sich verwundert um und sprang in kleinen Sätzen verlegen hin und her.

Ich eilte herzu, stieg ab und hob Jamaica auf. Sie war kreideblaß und halb ohnmächtig.

»Verzeih«, sagte ich; sie entgegnete nichts und sah mich nicht an. Sie atmete hastig und lehnte sich ein ganz klein wenig an mich, sehr ermattet.

»Verzeih«, sagte ich nochmals. Schließlich gab ich ihr die Zügel meines Pferdes und ging hin, um das ihrige einzufangen. Es ließ sich ganz willig festnehmen; es war durchnäßt und dampfte wie ein Schornstein. Ich führte es zu Jamaica, diese hatte sich vor Schwäche in den Sand gekauert; da hockte sie, schön und blaß wie eine Perle, es sah rührend aus. Jetzt erhob sie sich, ich merkte, sie wollte das Pferd wieder besteigen.

»Hilf mir«, sagte sie.

Ich half ihr in den Sattel und sprang dann selbst auf.

»Ich reite allein nach Haus«, sagte sie tonlos. Ich wagte nichts zu erwidern. Im Schritt, ganz gebrochen, ritt sie am Meere entlang heimwärts, ein trauriges Bild.

Ich trabte in die entgegengesetzte Richtung. Noch oft sah ich mich um, – es war immer derselbe melancholische Anblick: in müdem Schritt trottete der dampfende Gaul dahin, die müde Jamaica über sich. Ich bog in die Wälder ein, kam an einem See, an Forsthäusern, an mehreren Dörfern vorüber und zögerte stundenlang, ehe ich heimritt.

Als ich abends heimkam, war Jamaica fort, ohne ein Wort hinterlassen zu haben. Durch den Wirt erfuhr ich, daß auch der Engländer abgereist sei. Ich mußte lächeln, obwohl mir übel zumute war. Ich zündete mir eine Zigarre an, setzte mich auf die Balustrade der Veranda und sah lange aufs Meer, trotzig, allein, mit wirren, durcheinander stürmenden Gefühlen.

Am nächsten Tage reiste ich auch, nicht nach Haus, sondern zu einem Freunde aufs Land. Wir saßen stundenlang, während die Sonne brannte, in einem Boot und angelten, schossen nach Raubvögeln, schwammen, ritten, sahen den Pfauen zu, wie sie auf der Wiese Rad schlugen und schrieen: Päo! Päo! – und abends kamen der Förster und der Pastor des nächsten Dorfes, um mit uns zu zechen.