„Völker siehst Du auferstehen,
In des Freiheitsodems Wehen,
In der Zeiten hehrem Lauf;
Erntend längst gestreute Saaten.
Treten sie im Feld der Thaten
Kühn als Nationen auf.

Ach, der Hebel aller Staaten,
Die Erzeug’rin großer Thaten,
Aller Völker Kraft und Macht.
Die allein nur Muth und Stärke
Geben kann zum großen Werke: —
Einheit — ist Dir ja versagt!

In die einzeln schwachen Glieder
Gießt sie Kraft und Fülle wieder;
Einheit ist der Staaten Mark.
Kein Erob’rer stellt verwegen
Dann sich lüstern uns entgegen;
Werdet eins, dann sind wir stark.

Deutsche, nützt die hehren Stunden!
Wenn sie einmal hingeschwunden,
Sind sie ewig uns vorbei;
Laßt das große Völkerringen
Etwas wenigstens uns bringen:
Werdet eins! dann sind wir — frei!“

Ueberhaupt ist der gesunde Realismus, der bei aller Begeisterung des jungen Herzens aus diesen Gedichten spricht, doppelt wohlthuend in einer Zeit, die sich anschickte, mit Heine einem krankhaften sentimentalen Weltschmerz sich zu ergeben. Nirgends fingirt Blum Liebesleiden, die er nicht kannte, nirgends zeigt er sich mit der Welt zerfallen, lebensmüde, obwohl er hierzu mehr Grund haben mochte, als mancher Andere. Dagegen dringt wiederholt die bittere Klage über das harte Geschick, das ihm gerade die Erreichung der höchsten Lebensziele so unendlich schwer machte, mit der vollen Kraft eines gewaltigen Naturlautes aus seiner gepreßten Brust. Aber immer richtet ihn auf der felsenfeste Glaube an den Sieg der idealen Mächte, denen er sein Streben geweiht, und damit auch an die eigene Sendung, die er zu erfüllen bestimmt ist.

Besonders merkwürdig für seine Weltanschauung ist dabei, zumal bei dem rein rationalistischen Glauben, den er z. B. in seinem „Glaubensbekenntniß“ ausspricht, die feste Ueberzeugung an die Unsterblichkeit der Seele, die er in diesen Gedichten wiederholt ebenso deutlich bekennt, wie — in dem letzten Briefe an seine Gattin, den er Angesichts des Todes schrieb. In einem seiner frühesten Gedichte „An die Zeit“ (1829) heißt es am Schlusse:

„Du veränderst und wechselst nur jede Gestalt,
Die im Staub sich erzeugte vom Staube;
Doch dem Geiste droht nie der Zerstörung Gewalt,
Er wird nie der Verwesung zum Raube.
Zerstöre Du nur ohne Ende und Ruh’ —
Ein Theil meines Wesens ist ewig, wie Du.“

In der That bedurfte es eines so festen Glaubens an das Walten der sittlichen Mächte und solcher Bedürfnißlosigkeit, wie Robert Blum sie gewöhnt war, um auch in jenen bösen Tagen den Kopf oben zu behalten, als Ringelhardt Anfang Juni 1831 gezwungen war, plötzlich „aus Geschäftsrücksichten“, das heißt mit Rücksicht auf die Geschäftslosigkeit, die Bretter, die die Welt bedeuten, in Köln abzubrechen und Robert Blum zu entlassen. In dieser traurigen Lage griff dieser nach dem ersten Erwerb, der sich ihm bot — er wurde Schreiber beim Gerichtsvollzieher Kümpeler und bezog in dieser Stellung einen Monatsgehalt von — sechs Thalern! Davon war Alles zu bestreiten. Glücklicher Weise dauerte diese harte Prüfung nur bis 15. September. Da engagirte ihn Ringelhardt von Neuem für den früheren Gehalt.