Eine erhebliche Förderung verdankte Robert Blum diesem Dienstverhältnisse durch die bereits erwähnte freie Verfügung über die Theaterbibliothek des Directors. Bereits im Winter 1830 auf 1831 wurde der größte Theil der hier vorräthigen dramatischen Werke geradezu verschlungen, später mit Muße das Beste — vor Allem Schiller, Goethe, Lessing, Shakespeare und was an antiken Dramen da war, wieder und wieder gelesen, halb auswendig gelernt. Mit Schiller vor Allen gewann Blum die größte Vertrautheit. Aber auch Goethe lernte er mehr und mehr schätzen. Als der deutsche Dichterfürst starb, schrieb Blum ein tiefempfundenes „Sonett auf Goethe’s Tod“ in seine Gedichtsammlung. Daneben regten die dramatischen Novitäten des Tages den kritischen Theaterdiener an, sein Urtheil über dieselben in kurzen scharfen Distichen auszusprechen. Viele dieser Urtheile über Stücke, die heute noch auf dem Repertoire stehen, sind noch jetzt recht interessant.


„Dummheiten, Malicen und Xenien“ hat Robert Blum selbst die kleine Sammlung überschrieben, aus der hier einige Beispiele folgen.

Sonst und jetzt.

Derbe Komik, kräft’ge Witze,
Leicht und treffend wie die Blitze,
Traf man sonst im Lustspiel an.
Aber jetzt sind wir verwöhnt,
Alles Kräft’ge ist verpönt,
Weil man’s — nicht mehr schaffen kann.

Raupach.

Als er noch Dichtungen gab, da waren die Stücke zu tadeln,
Jetzt sind die Stücke zwar gut, doch ach! nicht Dichtungen mehr.

Moderne Kritik.

Reiße den Einen herunter, erhebe den Andern zum Himmel;
Beides mit Brutalität, doch ohne Sinn und Verstand.
Schreibe das Ganze — aus Scham, aus Furcht theils auch, ohne Namen,
Nennt man Dich bald ein Genie, denn das heißt heute Kritik.