[FUSSNOTEN:]
[1] Namentlich ist das Ungenügende der bisherigen Biographieen handgreiflich. Ich übergehe die Aufzählung der kleineren biographischen Arbeiten über Blum, die sich in Zeitschriften, Lexicons &c. zerstreut finden. Aber auch die größeren Versuche dieser Art leiden an zwei Hauptfehlern. Sie sind sämmtlich unmittelbar nach der Revolution und insgesammt vom radicalsten, parteiischsten Standpunkt aus geschrieben. Und sie sind geschrieben, ohne daß den Verfassern — mit Ausnahme der Wiener Briefe Blum’s an seine Frau, einiger seiner Gedichte, Zeitungsartikel, Broschüren und Reden, — eine einzige Mittheilung oder Aeußerung Blum’s über sich selbst oder Mittheilungen seiner Angehörigen über ihn zur Verfügung gestanden hätten. Der reiche Schatz handschriftlicher Aufzeichnungen, den Blum hinterlassen, und der zwar keine Selbstbiographie, wohl aber überall die wichtigsten Fingerzeige für die Geschichte seines Lebens enthält, der überaus interessante Briefwechsel Blum’s mit den Seinen, den Freunden u. s. w. wurde von jenen früheren Biographen völlig unbenützt gelassen. Selbst die historischen Quellen, welche uns heute über die wichtigsten Jahre in Blum’s Leben, namentlich über das Jahr 1848 zu Gebote stehen, waren damals zum großen Theil unerschlossen. Die Titel jener früheren biographischen Versuche sind:
„Das Buch von Robert Blum. Ein Denkmal seines Lebens und Wirkens von Eduard Sparfeld, eingeführt durch Franz Rauch, Pfarrer der christ-kathol. Gemeinde zu Leipzig. Leipzig, 1849. Im Selbstverlag des Verfassers und in Commission bei H. Matthes,“ 96 Seiten. Völlig werthlos. — „Robert Blum als Mensch, Schriftsteller und Politiker von Arthur Frey. Mit einem Portrait Robert Blum’s. Mannheim, J. P. Grohe. 1849. 216 Seiten.“ Der Verfasser steht auf dem Standpunkt der äußersten Linken. Das Büchlein gibt eine Anzahl Zeitungsartikel, Briefe und Reden Blum’s im Wortlaut. — „Robert Blum. Sein Leben, sein Wirken. Ein Buch für das Volk, nach den besten Quellen bearbeitet von Adolph Streckfuß.“ Enthält interessante, nur leider durchaus beweislos gelassene und nach der parteiischen Schreibweise des Verfassers wenig glaubhafte Details aus den Leipziger Augusttagen, den Jubelwochen der Revolution und den Frankfurter Septembertagen. Im Uebrigen breiter, gedankenarmer Schwatz. Alle diese Biographen berichten über die Jugend Blums fast wortgetreu dasselbe und beschränken sich betreffs der parlamentarischen Wirksamkeit ihres Helden auf einige gesinnungstüchtige Phrasen.
[2] In den Familienaufzeichnungen, denen ich hier folge, und welche in der Hauptsache von der Schwester Robert Blum’s, Frau Margaretha Selbach geb. Blum in Köln herrühren, werden sogar ausdrücklich die „Lehren des Professor Hermes“, wird E. Blum ein „Hermesianer“ genannt. Da jedoch die erste epochemachende Schrift dieses Gelehrten erst 1805 erschienen ist und Hermes nur fünf Jahre älter war (geboren 1795) als Engelbert Blum, so ist das jedenfalls ein Irrthum, zumal da Hermes niemals persönlich als Lehrer oder sonstwie auf die Schüler jenes Kölner Gymnasiums eingewirkt hat.
[3] Treitschke, die Anfänge des Zollvereins, Preuß. Jahrb. 30. Band. S. 897 fg.
[4] Das „Reisejournal“ verzeichnet hier, charakteristisch genug, nur Orte und Meilendistanzen ohne jede Bemerkung.
[5] Das älteste Heftchen dieser Art trägt den stolzen Titel: Mémorial analytique de mes recettes et dépenses pour les ans 1828, 29 et 30. Von da an bis 1848 liegen von Blum eigenhändig geschriebene Jahreshefte über seine Einnahmen und Ausgaben vor, von der Leipziger Zeit (1832) an auch fast sämmtliche Belege über die Ausgaben. Hierauf beruhen, wo nicht andere Quellen angegeben sind, meine Angaben über die finanziellen Verhältnisse Blums.
[6] Dem Reisejournal wird im Nachstehenden in allen Zeitangaben u. s. w. gefolgt, während das „Mémorial“ die finanziellen Verhältnisse Blum’s klar legt.
[7] In dem schon erwähnten Mémorial analytique.
[8] Die bei weitem billigeren Preise jener Jahre sind dabei schon berücksichtigt. Die Sächsische Gesindeordnung von 1835 setzt den Unterhalt für einen rechtswidrig entlassenen Dienstboten auf 1 meißn. Gülden (zwei Mark dreiundsechszig Pfennig) pro Woche fest. Viel mehr dürfte Robert Blum damals (1830) auch nicht zu verzehren gehabt haben.