»Euer Gnaden, es ist serviert.« »Also gut, gnädige Frau?« Frau Herma hing sich förmlich in ihres Mannes Arm ein, sie gingen durch ein paar Zimmer, die dunkel lagen, auf die Veranda. Der Tisch war voll Goldregen und alles sehr appetitlich. Nachdem sie auch Karl entlassen, liefen sie noch einmal zum Rosenbeet hinunter und Frank steckte der gnädigen Frau zwei Rosen ins Haar, er selbst befestigte sich eine im Knopfloch. Dann lächelten sie sich in die Augen und als von einer auf der Gasse vorbeiziehenden Menschengruppe Ziehharmonikaklänge heraufkamen, tanzten sie einen Walzer mitten im schönen Rasen. »Du, der Herr Rubek wird schimpfen —« Er hob sie und trug sie freudig zu Tisch. Die Abendschatten waren ganz lang geworden und eine Frühlingsnacht ließ Schleier von den Bäumen flattern. »Weißt du, — aber zum Essen muß man etwas sehn.« Frank stellte eine rote Lampe auf den Tisch, in deren Licht alles sehr freundlich zu ihrem Herzen kam. Dann aß man mit jugendlichem Appetit: Hummer und Mayonnaise, kaltes Händel und Roastbeef. Der Bursche hatte auch nicht den Champagner vergessen, ein Stöpsel flog in die Luft, sie tranken aus gewechselten Gläsern und er sagte: »Nunnerl, ich hab dich so lieb s« Er breitete die Arme weit. Bei den Erdbeeren wurde es dann ganz schön. Der Mond kam rot und lieblich wie eine Blüte über die Ebene, so daß sie die Lampe verlöschen und sich auf seinen Schoß setzen mußte. Die Erdbeeren rochen fabelhaft nach Wald und den warmen Lichtungen, auf denen sie gewachsen. Herma zerzupfte mit ihren Zähnen die Knopflochrose und schaute in das starke Gesicht ihres Mannes. Sie waren so nah — sie küßten sich. Der Horizont mit Stadtlichtern und einer geahnten Weite schien sich um sie in lieblichem Ringelreihen zu schließen — von dem Ginster dort sang die Nachtigall eines Dichters und der Springbrunnen war der Friede. Der Mond stieg — »Weißt du, Buberl, damals, als ich —« Ihr Arm hatte sich zu seinem Herzen geschlichen und hielt ihn ganz. Die Zigarette war ausgegangen. »Weißt du, daß wir glücklich sind?« — — Der Kies war wie Elfenbein und jetzt war ein Wind, der die Silberpappeln an der Einfahrt zittern machte, das Einzige, das zu leben schien. Die beiden atmeten und träumten. »Weißt du, wir sind im Himmel.« Eine Karaffe auf dem Tisch nickte ihren gleich schauenden Augen zu, Goldregen kam zu ihnen. Der Mond stieg und ließ Musik in ihr Herz. Ihre Körper wurden warm aneinander wie eine schöne Flamme. Frank summte leise eine Melodie. »Schau, Hermelein, hole deine Mandoline aus dem Herrenzimmer.« »Oh, was für eine gute Idee . . .« Sie biß ihn in das Ohr und fort war sie wie eine Katze. Er ließ die Arme von dem Fauteuil herabhängen und blies heitere Wolken von der neu angezündeten En A’ Ala dem Mond ins Gesicht. Drinnen warf scheinbar beim Herunternehmen der Mandoline die gnädige Frau das Konsoltischerl um. Pum. Pum. Nein, es war wieder still. »Wo das Mäderl nur bleibt?« Im Ginster raschelte es. Frank erhob sich — »sie hat wieder nicht Licht gemacht —« und trat in die Türe. Er wollte das »Elektrische« anzünden, das aber scheinbar nicht funktionierte und durchmaß deshalb im Dunkeln den nicht allzu großen Raum. »Weißt du, Mäderl, wir werden —« Da sah er, nachdem er die nächste Tür geöffnet, im süßen Mondschein eine weiße Hand, weiter nichts mehr. Denn ein furchtbarer Schatten fiel wie der eines Tieres von hinten über ihn, würgte ihn, ließ ihn nicht sich umdrehen, zog ihn zu Boden. Seine Hände spreizten sich — »Jetzt gilt’s — Leben — Herrgott —« — ganz rohe pfauchende, laute Stimmen. Etwas kollerte er von sich und dann kam eine Spitze durch die Smoking-Brust und tat weh. Er schlug hart mit dem Kopf auf, hörte noch, wie Kasten aufgerissen, zersprengt wurden, ein Wimmern, schwere Schritte. Dann stürzte sein Himmel ein, rote Kugeln schossen vor seinen Augen hin, seine Hand hob sich, sank zurück . . . . .
Die Raubmörder verließen das Haus, nachdem sie sämtliches Bargeld samt Pretiosen im Gesamtwert von rund 300000 K an sich gebracht und das Licht verlöscht hatten, über die hintere Mauer des Gartenkomplexes, bestiegen ein Auto und fuhren nach Italien, um sich gegen Brasilien einzuschiffen . . . . . . . . . . . . .
Dort drinnen schien aber der Mond noch immer auf einen frühlinglich gedeckten Tisch und gepflückten Goldregen. Nur das Blut, das in die Dielen sickerte und dann dick ward, war seinen heiteren Blicken neu. Und als er auf die entstellten Leichen der Liebenden schaute, die durch ein weites, verwüstetes Zimmer getrennt waren, zog er eine Wolke vor sich und weinte . . . .