»Bankert hat sie gesagt, Väterchen, Bankert? Was ist das?«

Die Knüpfarbeit Katharinas rollte zu Boden. Ihr Busen flog. Doch sie zwang den Sturm:

»Das ist Gräfin Barbaras Schule. Sie haßt mich, weil ich mich nicht zu ihrem Werkzeug gemacht habe. Nun möchte sie ihre Schuhe an mir abputzen. Darf sie das?« Der Ton der Frage machte sie zur Forderung.

Der Zar fühlte, was auf dem Spiele stand. Sein Antlitz war tiefernst, er legte die Rechte wie zum Schwur auf die Häupter der Kinder: »Bei Gott, sie wird dir die Schleppe tragen.« – – –

Ein halbes Jahr danach luden der Kammerherr Jaguschinski und der Admiralitätschef Kikin zur kirchlichen Einsegnung der Ehe des Zaren mit Katharina Alexejewna.

Die Zeremonie fand in der Kapelle des Palastes Menschikoff statt. Prinzessin Natalie, die Witwe des Zaren Iwan, der Vizeadmiral Cruys und ein Konteradmiral waren die Trauzeugen.

Abends war großer Empfang bei Hofe und Galatafel. Zum ersten Male übten die der Zarin zugeteilten Ehrendamen ihr Amt. Es waren die Fürstin Galizin und die Gräfin Barbara Arsenieff.


XIV.

Fürst Menschikoff schien fester als je in der Gunst des Zaren zu stehen. Sein geschicktes Eingreifen in der Schlacht bei Pultawa hatte ihm den Herzogstitel von Ingermanland eingetragen, und nun war er gar vor kurzem zum Erzieher des Zarewitsch ernannt worden. Gegen die Übernahme dieses Amtes hatte der Fürst sich vergeblich zu sträuben versucht. »Ich weiß,« hatte der Zar ihm auf seine Einwendungen erwidert, »daß es keine leichte Aufgabe ist, die deiner wartet, aber ich wäre ein schlechter Freund meiner Freunde, wenn ich ihnen nicht immer neue Möglichkeiten gäbe, ihre Freundschaft zu bewähren.« Es hatte scherzend geklungen, und der Fürst hatte auch dazu wie zu einem Scherze gelacht. Erst als sich ergab, daß der Zar bei seiner Absicht beharrte, hatte sich ihm die unangenehme Empfindung aufgedrängt, daß dahinter etwas wie eine Prüfung stecke, und auch jene Äußerung dünkte ihm nunmehr nicht harmlos, sondern von hinterhältigem Hohne.