Sie tat, als wolle sie antworten, könne sich aber zu keiner Lüge überwinden.
Er nickte zu ihrem Schweigen. Stumpf, ergeben: »Ich habe es verdient.«
Euphrosyne erpreßte ihren Augen ein paar Tränen, netzte seine Hände: »Mein armer Herr!«
Alexei weinte laut auf. Weinend glitt er in ihre Arme, weinend sank er an ihre Brust. –
Ganz unmerklich stieg Euphrosyne von der mitleidsvollen Beschwichtigerin seines Kummers zur unumschränkten Gebieterin seines Herzens auf.
Nur einmal wurde ihre Herrschaft schwankend. Nach einem der heimlichen Besuche in Susdal, die ihm vor Jahren auf Verwendung des Fürsten Wolchonski der Major Glebof ermöglicht und die er nun, seit seiner Abwendung von Charlotte wie in Rückkehr zu seinem wahren Dasein wieder aufgenommen hatte. Von der Mutter kam ihm die Warnung, seiner Gattin ein ähnliches Schicksal zu bereiten, wie sie es noch erlitt.
»Keiner hat das Recht, über einen andern zu richten. Wir bedürfen alle der Nachsicht,« mahnte sie.
»Du nicht,« widersprach Alexei und bückte sich über ihre abgezehrten Finger, sie demütig zu küssen, »du nicht, du heilige Dulderin.«
»Mein Kind,« die Zarin wehrte ängstlich. »Du weißt nichts,« ihre Stimme erstickte sich zum Murmeln, »von der Gewalt Gottes.«
»Mutter!« Entsetzt starrte der Zarewitsch die sanften, ausgeglichenen Züge unter der Nonnenhaube an: so war doch Wahrheit, was die Welt von der Freundschaft der Zarin zu Glebof rannte?