Die Prinzessin bedurfte ihrer nicht. Sie war glücklich: sie hatte Rußland den Erben gegeben, den es von ihr erwartete. Der Zar würde zufrieden sein. Und unaufhörlich wiederholten die trockenen, rissigen Lippen der von heftigen Fieberschauern Geschüttelten: »Nun darf ich heim! Nun darf ich heim!« –

Der Zar war zufrieden. Und seine Freude kannte keine Grenzen, als zwei Tage darauf seine Gattin ebenfalls einem Sohne das Leben gab. Zwar hatte er nicht so feste Glieder wie Charlottens, unansehnlich, die lasche, runzlige Haut von großen, dunklen Flecken bedeckt, lag er kläglich wimmernd in der Wiege. Doch Peter sah nur, daß es ein Knabe war. Er riß ihn auf, hob ihn hoch in die Höhe:

»Mein Blut! Mein Fleisch und Blut!«

Das Kind jammerte laut.

Er schüttelte es ungeduldig: »Greine nicht, du bist eines Zaren Sohn.«

Und als habe das Bündelchen Leben verstanden, schwieg es.

Sorgsam bettete der Zar es in die Kissen.

Von Wiege ging er zu Wiege. Er fühlte sich reich wie nie zuvor, fühlte den Beginn unendlicher Möglichkeiten in seiner Hand.

Wahrlich, Unfähigkeit sollte ihnen den Weg nicht verbauen. Der Tüchtigkeit gehörte die Welt!

Eine Woche danach wurde in allen Gemeinden Rußlands bekanntgegeben, daß es dem Zaren gefallen habe, das Recht der Erstgeburt aufzuheben, damit die Eltern jenes ihrer Kinder in ihren Besitz einzusetzen vermöchten, das nach seinen Fähigkeiten und Gaben am meisten geeignet sei, das Bestehende zu erhalten und zu mehren.