Die einzige, die sich weder an das Zürnen des einen, noch an die verächtliche Abwendung des andern kehrte, war Katharina. Auch in ihr reifte ein neues Dasein. Mütterlich neigte sich die Mutter der Mutter. Von ihrer aufrechten Art hätte sie so gern der Prinzessin eingeflößt:
»Gib dich nicht der Schwäche hin,« bat sie, »dein Sohn muß starke Schultern haben.«
Unmutig warf Charlotte, die in der letzten Zeit viel bettlägerig war, den Kopf zur Seite: »Ich werde keinen Sohn haben. Ich will keinen haben,« beharrte sie heftig, »er würde nur dem deinen den Platz rauben.«
»Mein Sohn?« Um Katharinas Mund lief ein bitteres Zucken. »Mein Leib hat meinem Wunsche all die Zeit hindurch widerstritten. Mädchen, nur Mädchen hat er geboren. Warum sollte er jetzt erfüllen, was ich nicht mehr wünsche. – Nein, ich wünsche es nicht mehr,« sagte sie mit Ingrimm auf Charlottens erstaunten Blick. »Ich mag keinen siechen Sohn.« Ihre Rechte preßte sich zornig zur Faust.
Zärtlich drückte Charlotte ihre Stirn gegen die geballte: »Ein blindwütender Zufall.«
»Zufall, ja,« Katharina richtete sich auf über der Hingestreckten, »es fiel mir zu. Woher? Wenn ich es wüßte? Ich glaube nicht an ein blindes Wüten. Hätte es mich einmal getroffen. Aber so. Jahr um Jahr. Anuschka und Lisenka strotzten vor Gesundheit. Und plötzlich …« Sie brach ab. »Es ist ein Verhängnis.«
»Und doch hoffst du –?«
Mit einem mächtigen Atemzuge befreite sich Katharina von den dunklen Besorgnissen. Ein schönes Lächeln hellte ihre Züge: »Eine Mutter hofft immer.« Und sich zu Charlotte neigend: »Ich hoffe für dich.« – –
Ihre Hoffnung wurde belohnt. Charlotte genas eines Prinzen. Dr. Hofy, der Leibarzt Katharinas, leitete auf deren Anordnung die Entbindung. Er ließ seine Herrin sofort von dem erfreulichen Umstande benachrichtigen. Obwohl selbst in Erwartung ihrer Niederkunft, eilte Katharina, der Wöchnerin und dem Neugeborenen ihre Glückwünsche zu überbringen.