»Wagen Sie es getrost, hineinzuschauen,« Katharina wies auf einen Sessel sich gegenüber im Erker, »im hellsten Lichte sehen wir am klarsten.«

Der sonst so Beredte fand keine Erwiderung. Nur seine Augen sprachen.

Eine kleine Weile genoß Katharina diese unverhohlene Bewunderung mit Vergnügen. Doch da die Mädchen, besonders Elisabeth, anfingen, unaufmerksam zu werden, und die Frühreife der Mutter bezeichnende Blicke zuwarf, brach sie den Bann, in den der gewiegte Fallensteller geraten war, durch rasche Fragen nach den Reisen und Studien des Gastes.

Noch völlig im Anschauen gefangen, dauerte es eine Weile, ehe Bassewitz, mühsam nach Antworten tastend, sich wieder zu sich zurechtgefunden hatte. Dann aber sprach er leicht, tändelnd und doch mit einer geschickten Betonung seiner Vortrefflichkeit. Er erzählte von dem jungen Herzog von Holstein, dem Neffen Karls von Schweden, dessen Erziehung er geleitet hatte.

Angeregt hörte Katharina zu. Ihr Blick streifte die Prinzessin Anna:

»Der Herzog soll sehr anschmiegsamen Wesens sein?«

Diese Frage gab Bassewitz' Plänen eine neue Gestalt. Da war eine Lösung der nordischen Krise gegeben, an die bisher niemand gedacht hatte. Ah, der Geheimrat und der General würden staunen, wenn er ihnen diesen Prospekt vor Augen rückte. Und erst Görtz. Am Ende gelang es ihm sogar, diesen damit auszustechen. Schweden und Rußland vereint, konnten Europa Gesetze diktieren. – Er neigte die schmalen Schultern:

»Gnädigste Frau belieben ein mildes Urteil. Der Herzog bedarf einer festen Hand.«

Ein feines Wölben der Lippen dankte dem Grafen für sein Verständnis. Endlich hatte sie einen Bundesgenossen gefunden, der bereit war, ihr in ihrem Bemühen zu helfen, dem zerrissenen Europa den Frieden wiederzugeben.

»Vereinigen ist besser als vernichten,« sagte sie bestimmt und begann, dem Grafen darzulegen, welche Schritte sie zunächst für erforderlich erachtete.