Um einen großen runden Tisch saßen die Prinzessinnen Anna und Elisabeth mit ihrer Erzieherin, einer Revaler Bürgerstochter. Unweit davon, so daß sie die Gruppe im Auge hatte, in einem Erker vor ihrem Stickrahmen, Katharina. Die Nachmittagssonne, die hell vor den Fenstern spielte, warf ihren Schein auf die Arbeitende. Diese hatte den Kopf geneigt. Einer der bunten Seidenfäden hatte sich verfangen und es galt, ihn zu lösen, damit er nicht die glatte Zeichnung verwirrte. Über die gebeugte Stirn liefen die flirrenden Lichter und lockten das Gold ihres Haares zum Glühen. Es war, als brächen Flammen aus dem Haupte und schössen über ihm zu funkelnder Krone zusammen.
Wie gebannt stand Bassewitz. Jeder Spott war aus seinen Zügen gewichen und hatte einem bei ihm seltenen Ausdruck der Befangenheit Platz gemacht.
Katharina hatte sich erhoben und einige Schritte dem Gaste entgegengetan. In ruhigem, wägendem Prüfen umfaßte ihr Blick ihn.
Den Grafen überkam die Empfindung, als tue sich ein kühler grüner See vor ihm auf. Und er versank in seiner Tiefe. Rettungslos.
Verwirrung überkam ihn. Seine Verneigung fiel ehrerbietig aus, ehrerbietiger, als er sich der livländischen Bäuerin gegenüber vorgenommen hatte, und er stammelte verwirrt:
»Majestät!«
Mit einer leichten Gebärde wehrte Katharina der ihr nicht zustehenden Anrede: »Ich bin nur die Gattin eines einfachen Admirals.«
Der Holsteiner riß sich zusammen:
»Verzeihung, gnädigste Frau, ich kam aus dem Dunkel, da blendete mich die Sonne.«