Schweigend wartete der Kanzleirat. Er war zufrieden mit dem Erfolg seiner Meldung. Der Zarewitsch machte es seinen Gegnern leicht, ihn, von dessen Anhang sie für sich fürchten mußten, auszuschalten.
Der Zar regte kein Glied. Röchelnd stieß sein Atem aus gepreßter Kehle. Ihm war, als halte eine übermächtige Hand seinen Hals umklammert und würge, würge. Und ein Gesicht war über ihm, grausam höhnend: das Schicksal! Fester und fester schloß sich der zwängende Griff.
Ein schriller Schrei. Polternd flog der Stuhl zu Boden. Wild um sich schlagend, mit blutunterlaufenen Augen stand der Zar.
Das Gespinst war zerrissen.
Ostermann war einige Schritte zurückgewichen. Es war die einzige Bewegung, die seine innere Angst vor diesen Zufällen seines Herrn verriet.
Die Lippe des Zaren zerrte sich auf, seine starken Zähne wurden frei: »Brauchst nicht davonzulaufen. Die Botschaft wird dir den Kopf nicht kosten. Ich sollte einen andern damit zahlen lassen. Er hätt's verdient. Kannst ihm das zu wissen tun. Und er soll mir das Kloster nennen, in das er sich begeben will.« Er lachte grell auf: »Ich werde es ihm einrichten lassen, daß seine Freunde, die ihn mir wider die Nase setzen möchten, sich ihre eigensinnigen Schädel daran blutig rennen, wenn sie versuchen sollten, ihn herauszuholen.«
Ostermann hatte sich stumm verneigt. Und er und Schafirof hatten die Aufforderung derart abgefaßt, daß dem Zarewitsch klar werden mußte, es ginge um sein Leben. Hoffentlich trieben seine altrussischen Berater ihn zu offenem Widerstande. Dann bot sich endlich die ersehnte Gelegenheit, diese gefährlichen Fremdenfeinde gründlich unschädlich zu machen.
Das war vor Wochen, bald vor Monaten gewesen. Der Zarewitsch hatte nicht geantwortet. Der Kanzleirat war beunruhigt: was ging in Rußland vor, während sein Herrscher am Pyrmonter Brunnen sich als Lenker der Geschicke Europas fühlte?
Anfangs suchte er seine Besorgnis zu verhehlen. Bald aber erschien es ihm nützlicher, und der Kanzler teilte seine Meinung, sie dem Zaren nahezubringen. Scheit bei Scheit nährten sie dessen Erbitterung gegen den Sohn. Nie ließ Peter ein Wort fallen, aus dem sie sich etwas hätten deuten können, aber die brennende Röte, die die bloße Nennung des verhaßten Namens in sein Gesicht jagte und das jähe, tiefe Erblassen, das ihr folgte, sagten den eifrigen Schürern genug.