»Weib!« Peter wollte mit geballten Fäusten auf die Spötterin zu.
Sie kehrte ihm langsam den Rücken und ging zum Fenster:
»Hab dich nicht! Beeile dich lieber mit dem Anziehen. Die Pferde rühren sich bereits im Geschirr.«
Keuchend, an allen Gliedern bebend, stand Peter mitten im Zimmer. Er kam sich unsäglich albern vor: was hielt ihn ab, diesem boshaften Frauenzimmer seinen Willen aufzuzwingen? Oder hatte er ihr gegenüber gar keinen Willen? Ein dumpfes Ahnen beschlich ihn, daß diesem Wesen nicht mit Gewalt beizukommen war, weil es sogar die Lust in seiner Gewalt hatte. Er biß sich die Lippen blutig: da war nichts zu machen. – Er warf den Kopf in den Nacken: was kam es auch darauf an? Er würde das Erlebnis bald vergessen haben. – Zornig zerrte er an Rock und Wams, sich ihrer zu entledigen. Doch das durchnäßte Tuch klebte am Körper. Er riß und zog, fluchte und stieß mit den Füßen den Boden.
Die Kleine hatte sich vom Fenster abgewendet und genoß das Schauspiel mit heller Freude.
»Du wirst nie etwas fertig bringen, wenn du nicht Geduld lernst.« Damit half sie ihm.
Du wirst nie etwas fertig bringen, wenn du nicht Geduld lernst! Er sah das Geschöpf vor sich plötzlich mit andern Augen an. Unvermittelt kam ihm die Frage:
»Wie heißt du?«
Sie wiegte sich in den Hüften: »Brauchst du einen Namen, um dich zu erinnern?« Ihr Leib dehnte sich zu ihm hin, daß er ihn fast streifte: »Du wirst mich nicht vergessen.«
Den großen, starken Mann überrann ein Schauer. Seine Glieder flogen. Doch der kühle, beherrschte Blick der grünlichgrauen Augen hielt ihn in Bann. Nur sein Atem stöhnte durch die zusammengebissenen Zähne.