Warum? Peter begriff seine Flucht jetzt selbst nicht mehr. Die Gründe der andern, die ihm zu eigenen geworden waren, hatten an Gewicht verloren. Warum ließ er Heer, Sieg, unermeßlichen Ruhm und wählte statt dessen schmähliches Entweichen, Schande und Untergang? Er suchte nach Antwort und fand nur die Bedenken der Ängstlichen, der Zaudernden und der geflissentlichen Schwarzmaler:
»Karl ist ein Feldherr. Ich bin es nicht.«
»Du wirst es an ihm werden!«
»Seine Soldaten sind erprobt, sind nach allen Regeln der Kunst ausgebildet, die meinen, eine zusammengewürfelte Schar, die mit Gewehr und Säbel spielen, aber nicht ernstlich fechten können.«
Menschikoff lachte, tief, herzlich.
»Du lachst!« Der Zar fuhr herum, Purpurröte auf dem weiten Gesicht, die rechte Wange entstellt von wildem Zucken: »Du kannst lachen, und mein Heer ist vernichtet, zerstreut in alle Winde, Karl auf dem Wege nach Moskau?«
Wärmer noch wurde das Lachen: »Und wenn er mit seinen Schweden in den Kreml einzöge, du bist der Zar, du! Und du wirst ihn besiegen, denn mit dir ist Rußlands unerschöpfliche Kraft!«
Eine Sekunde war es, als schwankte Peter. Dann riß er Menschikoff an sich:
»Herzbruder! Freund! Mann! Du glaubst …«