Mit großem, erstauntem Blick war der Knabe dem Schauspiel gefolgt. Jetzt schob er sich mühsam in die Höhe, tappte mit den ungelenken, ungleichen Gliedern auf Katharina zu. Die schmale, enge Brust keuchte mit kurzen, heftigen Stößen. Bebend stand er vor dem Ziel seiner Wanderung. Die Gerte, die er fest umklammert hielt, wippte stärker. Tanzend huschte ihre feine Spitze über Katharinens Wange. Erschauernd zuckte sie zusammen. Ein greller, kicksender Laut brach zwischen den lückigen, schwarzgefleckten Zähnen des kleinen Peinigers hervor. Seine schartige Oberlippe zog sich in jäher Freude weit zurück. Ein schüttelndes Beben rann durch den verwachsenen Körper. Der wehe, verkniffene Zug um seinen Mund war plötzlich aufgelöst in süchtiges Verlangen. Schmatzend sogen die Lippen aneinander. Sacht drängte er seine Hand gegen den atmenden Leib. Finger bei Finger kroch sie, ein kleines, braunes, lüsternes Ungetier, langsam höher, und wand sich durch Rüschen und Falbeln. Sie hatte eben den Rand des wogenden Ausschnittes erreicht und hob sich wollüstig zuckend, als das Knirren des Sandes auf dem Gartenwege sie erschreckt zusammenfahren ließ. Gleich einem Mehlsack plumpste der in seinem geheimen Spiel Gestörte zu Boden und kroch, so schnell es sein lahmes Bein zugab, zu seinem Wächtersitz zurück.
Im Eingang der Laube erschien ein schlanker, junger Mann, einer der Zöglinge des Propstes Glück, in dessen Hause Katharina nach dem Tode ihrer Mutter Aufnahme gefunden hatte.
Der Kleine maß den frischen, blonden Menschen feindselig:
»Katha schläft.«
Arnd Albedyll biß sich ärgerlich auf die Lippen. Er bemühte sich, zu tun, als habe er gar nicht gewußt, daß jemand und wer in der Laube sei.
»So, die Katja ist da herinnen?« Er streckte den Kopf vor, um ihren Anblick in dem grünen Dämmer zu erhaschen.
Schnippend fuhr ihm die Gerte ins Gesicht.
»Verfluchter Balg!« er suchte die Rute zu packen und an sich zu reißen, »sticht dich der Hafer?«
»Du sollst nicht zu Katha,« zischte der Knabe. »Glaubst du, ich weiß nicht, warum du kommst?« Seine Augen glühten böse: »Ich weiß alles. Ich weiß, daß du ihr nachläufst auf Schritt und Tritt, ich habe gehört, wie du sie angebettelt hast, sie soll des Nachts ihre Tür auflassen.«