Alexei antwortete nicht. Er saß in seinem Sessel, steif, kerzengerade, die Augen halb geschlossen, gleichsam erstarrt.

»Hat der Herr Sohn die Sprache verloren?« Peter unterdrückte nur noch mühsam seinen Groll.

Keine Miene regte sich in Alexeis Gesicht: Schweigen! befahl er sich: Schweigen! Die erhabenen Märtyrer hatten Schwereres erlitten, als ihm auferlegt wurde zu tragen. Und hatten für ihre Peiniger Worte des Segens gehabt. O, wie weit stand er ihnen, die er bewunderte, die ihm Vorbild waren, nach. Auf seiner Zunge hatte er den beizenden Geschmack des Hasses. Seine Zähne bohrten sich in die Lippen.

»Bengel!« Peter schüttelte die geballten Fäuste dicht vor dem in Stummheit Verharrenden. »Hast du vergessen, wer vor dir steht? Du? Weißt du nicht, daß ich mit dir machen kann, was ich will? Bildest du dir ein, ich werde mit dir sanfter verfahren als mit allen andern, weil du Blut von meinem Blute bist?« Er riß ihm die Decke von den Knien, stieß ihn hoch: »Elendes Gewächs! Aber wie soll's anders sein«, das Zimmer dröhnte unter seinem Hin- und Widerschreiten, »von Weibern verzärtelt, von den Pfaffen verzogen.« Er blieb vor dem Sohne stehen, seine Stimme war schneidend: »Nimm dich zusammen. Meine Geduld ist nicht unendlich wie die deiner Heiligen mit der Schafsnatur. Ich will, daß du wirst, wie ich dich brauche.« Und da der Zarewitsch noch immer nicht sprach, schrie er, ihn schüttelnd: »Mann sollst du endlich werden. Verstehst du? Mann!«

»Ich verstehe,« Alexei sagte es mit dumpfer Schwere, »daß das in meiner Sprache heißt: ein Mörder!«

»Hund!« Peters Rechte hob sich zum Schlage: »Wenn du nicht so jämmerlich wärst.« Er kehrte sich ab und ließ den Arm sinken: »Es ist zum Ekeln.« Er trat zum Fenster, stieß den Riegel auf. Ein Zucken drehte ihm den Kopf zur Schulter: »Widerlich. Draußen wie drinnen derselbe labrige Gestank. Da kann ja kein Mann dabei gedeihen.« Er besann sich, daß er einen großen Teil der Schuld daran trug, wenn sein Sohn nicht geraten war, wie er ihn sich wünschte. Jahrelang hatte er sich kaum um ihn gekümmert. Sein Ton wurde milder: »Das Mönchsgewäsch mußt du dir aus dem Sinn schlagen. Mit Singen und Beten schafft keiner ein großes Reich. Soll Rußland etwas in der Welt bedeuten, so darf sein Herrscher vor nichts zurückschrecken.«

Langsam hoben sich Alexeis Lider, voll sah er den Vater an. Es waren ernste, schmerzvolle Augen, die sich auf Peter richteten.

Diese stumme Anklage traf den Zaren schwerer, als eine Flut von Vorwürfen es vermocht hätte. Er verstockte sich mit Heftigkeit dagegen:

»Was siehst du mich so an? Du sollst mich nicht so ansehen! Du hast kein Recht dazu!« Schreiend trieb er sich in Zorn: »Kein Recht hast du dazu!«

Vom Platz her kam der dumpfe Schall vieler Tritte und das dunkle Klirren von Ketten, die sich aneinanderrieben.