»Narwa ist nicht Livland!« Katharina sagte es. »Eine alte Sage meldet: nur dem wird Livland zu eigen, der ein livländisch Weib heimführt. Darum ist es nicht schwedisch geworden und wird nicht russisch werden, sondern bleiben, was es ist!«
Der Klang der Stimme weckte in Peter ein Erinnern. Aber es wurde nicht hell, und er war nicht der Mann, sich mit Grübeleien aufzuhalten. »Wer ist das Mädchen?« Er fragte es scharf.
Barbara legte den Arm um Katharina und drängte sie mit leichtem Zwange näher: »Eine schöne Gefangene des Zaren.«
Ein halblauter Fluch entfuhr Menschikoff über diese Schmeichelei. Drohend richteten sich seine Blicke auf die Freundin.
Sie winkte mit den Augen, trat rasch auf ihn zu und preßte seine Hand: »Der Preis lohnt den Einsatz,« zischte sie dicht an seinem Ohr.
Die geballten Fäuste des Günstlings preßten sich noch fester zusammen. Seine Brust rang unterdrückt. Er hob den Kopf. Er glaubte Barbara zu verstehen: Katharina sollte die Delila des zarischen Simson werden. Seine Blicke glühten: dafür war ihm das Liebste feil.
»Meine Gefangene!« Peter betrachtete wohlgefällig die unerwartete Siegesbeute.
»Ich weiß nicht, ob das Kriegsrecht Ew. Majestät gebietet, mich zu den Gefangenen zu rechnen, aber ich weiß, daß das Gastrecht fordert, dem Freunde des Hauses einen guten Willkommen darzubringen.« Mit einer anmutigen Bewegung bot sie ihm den Teller mit den Pfirsichen.
Peters Augen wanderten hin und her zwischen ihrer sauberen Gestalt und dem zierlich hergerichteten Obst: