»Wenn ich ihn zu fassen bekomme …« die Lehne, um die sich seine Finger gekrallt hatten, splitterte unter ihrem Druck: »Gezücht!« Er schrie es wild: »Ich habe es genährt! Großgezogen! Groß gemacht!« Die Erregung fuhr zuckend durch seinen Körper. Blutunterlaufen quollen ihm die Augen aus den Höhlen.
Golowkin wurde aschfahl vor Angst, mit einer unsicheren Verneigung zog er sich zurück und drückte zitternd die Tür hinter sich ins Schloß. Der Zar war viel zu eingenommen von seinem Zorn, um es gewahr zu werden. Die Prinzessin rümpfte die Nase: Männer! dachte sie, Männer wollen das sein. Der eine gebärdet sich wie ein eigensinniges Kind, das seine erste Enttäuschung erlebt, und der andere läuft vor dem Ungebärdigen davon. Laut sagte sie:
»Was hast du dich, Petruschka? Triff deine Maßnahmen, und die Schwenkung des Hetmans braucht dich nicht zu schrecken. Sei froh, daß du es frühzeitig erfährst.«
»Daß er mich verraten konnte.« Peter schüttelte stöhnend die geballten Fäuste vor sich hin.
»Unsere besten Freunde hassen uns am meisten,« entgegnete die Prinzessin gelassen, »weil sie am schmerzlichsten unter unseren Schwächen leiden und am genauesten die Mängel unserer Tugenden kennen. Wir sind ihnen keine Götter.« Und als der Zar nur ein verbissenes Schweigen auf ihre Rede hatte, setzte sie hinzu: »Du machst diese Erfahrung nicht zum ersten Male und wirst sie noch öfter machen müssen, vielleicht sogar von solchen, die du gleich dir selber hältst.«
Die Zähne des Zaren schlugen gegeneinander. Es war, als schüttle ihn ein Frost. Gewaltsam zwang er sich zur Ruhe: »Menschikoff?«
»Dein Herzbruder.« Die Prinzessin nickte.
»Du hast Verdacht?« ganz langsam fragte er es. Jede Silbe war schwer von Drohung.
»Dir wird nicht für den Verdacht genügen,« die Prinzessin hob die vollen Schultern, »was mir Gewißheit ist. Golowkin war nicht der einzige, der ein Jahrgehalt von Mazeppa empfing. Auch …«
»Auch der Fürst. Ich weiß es.«