In dieser Kraft entstanden die Schöpfungen Hans Holbeins. Dreimal hat er den Totentanz gezeichnet; einmal als Entwurf zu einer Dolchscheide, dann als xylographisches Alphabet, und zuletzt schuf er die vorliegende Folge von Holzschnitten, welche man oft als den großen Totentanz bezeichnet. Wohl hatten auch Meister wie Albrecht Dürer, Hans Baldung, Burckmair und Scheuffelin die Nähe des Todes dargestellt, doch meist so, daß dieser seine Opfer unter den Sündern und Verworfenen suchte, während Holbein in umfassender Weise den Reigen an die Stätten führte, wo der Bürger seinem Berufe oder alltäglichen Neigungen nachging. Wie bei Manuel finden sich auch hier bekannte Gesichter vor, so trägt der Kaiser die Züge Maximilians, der König das Antlitz Franz I. von Frankreich, und zu Seiten des Todeswappens stehen der Künstler und sein Weib.

Die erste datierte Ausgabe der Todesbildung kam bei den Brüdern Trechsel im Jahre 1538 zu Lyon heraus und trug den Titel »Simulachres de la mort« oder »Imagines mortis«. Die Entstehungszeit dieser Folge aber fällt in die Jahre 1524–25, wo Holbein in Basel weilte. Probedrucke der Originalstöcke befinden sich im dortigen Museum. Hans Lützelburger, welcher schon 1526 starb, hatte das Schneiden in Holz besorgt.

Dem nüchternen Sinn, mit welcher er die Natur zu betrachten gewohnt war, und seiner reichen Gestaltungskraft hatte Hans Holbein zu danken, daß er sich aus der zeitlichen Tendenz und ihren wechselnden Affekten zur Schöpfung eines freien Kunstwerkes durchringen konnte, das in vollendeter Zucht die Tragödie der menschlichen Vergänglichkeit schildert und daher ein Beweis dafür bleiben wird, daß der gesunde Geist den Tod lebendig überwindet.

Hans Ganz.

Die schöpffung aller ding

Adam Eua im Paradyß

Vßtribung Ade Eue

Adam bawgt die erden

Der Bapst

Der Cardinal