Abends mußte dann der Onkel verreisen, die drei Großen begleiteten ihn auf den Bahnhof. Als aber vier Wochen um waren, an einem prächtigen Sonntage, da kam er wieder, diesmal samt seiner Frau, der Tante, und zwar zu Julchens Taufe als Pate. Groß war die Freude im Hause Hotze! Und als nun gar zwei große Landauer vorfuhren, das Julchen im prächtigen Paradetuch hineingetragen wurde, und auch Muttchen, das längst wieder auf den Beinen war, einstieg, da war der Jubel unbeschreiblich. Karl durfte vorne und Fritz bei der hintern Kutsche auf den Bock steigen, Hannchen aber dem Vater auf den Schoß sitzen. Die drei Großen fuhren mit Onkel und Tante im zweiten Wagen. Kein Wölklein trübte den herrlichen Tag, wie im Fluge gingen nach der ernsten kirchlichen Feier die schönen Stunden zu Hause dahin.
Um sechs Uhr mußten die Basler Abschied nehmen, zum großen Leidwesen aller. Hannchen hätte sicherlich geweint, wenn nicht schnell die Mutter ihm versprochen hätte, es dürfe heute Abend dem Julchen das neue Schlüttli, das die Tante gebracht, ganz alleine anziehen. Das wirkte, und tapfer schluckte es seine Tränen hinunter.
»War's nicht ein schöner Tag, Kinderchen?« fragte der Onkel beim Abschied. »Ja«, riefen sie alle, »aber halt am allerschönsten war es vor vier Wochen im Gartenhäuschen, als du uns erzähltest, wie der liebe Gott die Kindlein erschafft!«
Schlußwort
an alle Kinder, welche diese Erzählung gelesen haben.
So, nun wißt auch Ihr, wie die Kindlein zur Welt kommen, denn es ist wirklich genau so, wie der Onkel berichtete. Nun braucht Ihr nicht mehr die Köpfe zu strecken, wenn ein Bub in der Schulpause ganz leise vom Werden der Kindlein berichtet, oder wenn ein Mädchen auf dem Heimwege meldet, es wolle Euch etwas sagen, aber kein Mensch dürfe es wissen — und dann erzählt es, wie die Kinder geboren werden. Da sagt Ihr dann einfach: O, das wissen wir schon lange, das hat uns ja die Mutter zu lesen gegeben! Nie werdet Ihr von nun an dabei sein, wenn über diese ernsten Dinge heimlich und unschön geredet wird, und nie werdet Ihr mithelfen, wenn Kameraden lachen über eine Frau, weil man merkt, sie werde bald ein Kindlein haben. Von einer solchen Frau sagt man: sie ist »in gesegneten Umständen«, weil Gott einen großen Segen auf sie gelegt hat; darum sollen wir sie mit Achtung, ja mit Ehrfurcht grüßen. Ist Euch noch etwas nicht klar, so fragt Eure Eltern, die wissen es besser, als vorwitzige Schulkinder. —
So recht werdet Ihr dies allerdings erst verstehen, wenn Ihr groß seid. Vielleicht wird dann dem einen oder andern von Euch auch ein liebes Kindlein geschenkt, und dann werdet Ihr an den Onkel denken im Gartenhäuschen und mit ihm sagen: es ist etwas Herrliches und Wunderbares, wenn der liebe Gott neues Leben erschafft!