Als nun der Jud mit einer ganzen Taglöhnerlast von Kleidern daherkam, las er mir das Beste heraus und ließ michs anziehen und nahm mich mit sich zum Obristen.

»Herr, ich habe in Seiner Guarnison gegenwärtigen Kerl angetroffen, dem ich so hoch verobligiert bin, daß ich ihn in so niedrigem Stand, wannschon seine Qualitäten keinen besseren meritieren, nicht lassen kann. Bitte dahero den Herrn Obristen, Er wolle mir den Gefallen erweisen und zulassen, daß ich ihn mit mir nehme, um ihm bei der Armee fort zu helfen.«

Der Obrist verkreuzigte sich vor Verwunderung, daß er mich einmal loben hörte, und sagte: »Mein hochgeehrter Herr vergebe mir, wann ich glaube, ihm beliebe nur zu probieren, ob ich ihm auch so dienstwillig sei, als Er dessen wohl wert ist. Was diesen Kerl anlanget, ist solcher eigentlich nicht mir, sondern seinem Vorgeben nach unter ein Regiment Dragoner gehörig, darneben ein so schlimmer Gast, der meinem Profosen, sint er hier ist, mehr Arbeit geben als sonst eine ganze Kompanei.«

Endete damit die Rede und wünschte mir Glück ins Feld.

Dies war meinem Herzbruder noch nicht genug, sondern er bat den Obristen, mich an seine Tafel zu nehmen. Er täts aber zu dem End, daß er den Obristen in meiner Gegenwart erzählte, was er in Westfalen nur gesprächsweis von dem Grafen von der Wahl und dem Kommandanten von Soest über mich gehöret hatte. Das strich er nun dergestalt heraus, daß alle Zuhörer mich vor einen guten Soldaten halten mußten. Dabei hielt ich mich so bescheiden, daß der Obrist und seine Leute nicht anders glauben konnten, als ich wäre mit andern Kleidern auch ein ganz anderer Mensch geworden.

Darauf erzählte er Obrist viel Bubenstücklein, die ich begangen: Wie ich Erbsen gesotten und obenauf mit Schmalz übergossen, sie vor eitel Schmalz zu verkaufen, item ganze Säck voll Sand vor Salz, indem ich die Säcke unten mit Sand und oben mit Salz gefüllet, wie ich dem einen hier, dem andern dort einen Bären aufgebunden und die Leute mit Pasquillen vexieret.

Ich gestund auch unverholen, daß ich willens gewesen, den Obristen mir allerhand Boßheiten dergestalt zu perturbieren und abzumatten, daß er mich endlich aus der Guarnison hätte schaffen müssen.

Nach beendetem Imbiß hatte der Jud kein Pferd, so meinem Herzbruder vor mich gefallen hätte. Endlich verehrete ihm der Obrist eins mit Sattel und Zeug aus seinem Stall, auf welches sich Herr Simplicius satzte und mit seinem Herzbruder zur Festung hinausritte.