Als wir nun einsmals bei Nacht herum schlingelten, den Studenten ihre Mäntel hinweg zu vulpinieren, wurden wir überwunden, mein Praeceptor erstochen und ich neben andern fünfen, die rechte Spitzbuben waren, erdappt und eingezogen. Auf Bürgschaft des Faktors, der ein ansehnlicher Mann war, ward ich losgelassen, doch daß ich bis auf weiteren Bescheid in seinem Hause im Arrest bleiben sollte. Jene fünf wurden als Spitzbuben, Räuber und Mörder gestraft. Mein Vater kam eiligst selbst auf Lüttich, richtete meine Sache mit Geld aus, hielt mir eine scharfe Predigt und verwiese mir, was ich ihm vor Kreuz und Unglück und meiner Mutter vor Verzweiflung machte — auch, daß er mich enterben und vorn Teufel hinwegjagen wollte. Ich versprach Besserung und ritte mit ihm nach Haus; also hat mein Studieren ein Ende genommen.
Ich war kein ehrbarer Domine geworden, sondern ein Disputierer und Schnarcher, der sich einbildete, er verstehe trefflich viel. Und mein Vater befand, daß ich im Grund verderbt wäre.
»Höre, Olivier,« sagte er, »ich sehe deine Eselsohren je länger je mehr hervorragen, du bist eine unnütze Last auf Erden. Ein Handwerk zu lernen bist du zu groß, einem Herren zu dienen bist du zu flegelhaftig, meine Hantierung zu begreifen und zu treiben bist du nichts nutz. Ich habe gehofft dich zum Manne zu machen, so habe ich dich hingegen jetzt aus des Henkers Händen erkaufen müssen: Pfui, der Schande!«
Dergleichen Lectionen mußte ich täglich hören, bis ich zuletzt auch ungeduldig ward und sagte, ich wäre an allem nicht schuldig, sondern er und mein Praeceptor, der mich verführt hätte. Daß er keine Freude an mir erlebe, wäre billig, sintemal seine Eltern sich auch seiner nicht erfreuen, als er sie gleichsam im Bettel verhungern lasse. Da erdappte er einen Prügel und wollte mir meine Wahrsagung lohnen, hoch und teuer sich verschwörend, er wolle mich nach Amsterdam ins Zuchthaus tun. Ich ging durch und ritte seinen besten Hengst auf Köln zu.
Den versilberte ich, kam abermals in eine Gesellschaft der Spitzbuben und Diebe und half bei Nacht einfahren. Maßen aber einer kurz hernach ergriffen ward, als er einer vornehmen Frau auf dem Alten Markt ihren schweren Beutel doll machen wollte und ich ihn einen halben Tag mit dem eisernen Halskragen am Pranger stehen sah, dergleichen wie sie ihm ein Ohr abschnitten und ihn mit Ruten aushieben, ward mir das Handwerk verleidet. Unser Obrister, bei dem wir vor Magdeburg gewesen, nahm eben damals Knechte an; ich ließ mich derowegen vor einen Soldaten unterhalten.
Nachgehends ging sein Schreiber mit Tod ab, so nahm mich der Obrist an dessen Statt zu sich, dann er hatte vernommen, daß ich eines reichen Kaufmanns Sohn wäre. Ich lernte von unserm Secretario, wie ich mich halten sollte, und mein Vorsatz, groß zu werden, verursachte, daß ich mich ehrbar und reputierlich einstellte und nit mehr mit Lumpenpossen schleppte.«
Sonach erzählte mir Olivier das Schelmenstück, das er meinem jungen Herzbruder mit dem übergöldten Becher angetan, damit er den alten Herzbruder auf den Tod gekränket, und mir ward grün und gelb vor Augen, als ich es aus seinem eigenen Maul hören mußte. Gleichwohl dorfte ich keine Rache nehmen.
»Im Treffen vor Wittstock«, sagte Olivier, »hielt ich mich nicht wie ein Federspitzer, der nur auf das Tintenfaß bestellt ist. Ich war wohl beritten und so fest als Eisen, ließ derhalben meinen Valor sahen, als einer der durch den Degen hoch zu kommen oder zu sterben gedenket. Wie eine Windsbraut vagierte ich um unsere Brigade herum, mich zu exerzieren und zu erweisen, daß ich besser zu den Waffen als zur Feder tauge. Aber das Glück der Schweden überwand, ich wurde gefangen.
In einem Regiment, welches nach Pommern gelegt ward, sich wieder zu erholen, ließ ich treffliche Courage verspüren und ward zum Korporal gemacht. Aber ich gedachte wieder unter die Kaiserlichen zu kommen. — Einsmals hatte ich mit sieben Musketierern achthundert Gulden ausständige Kontribution in unseren abgelegenen Quartieren erpreßt. Da ich nun das Geld beisammen trug, zeigte ich es meinen Burschen und machte ihre Augen nach demselben lüsternd, also daß wir des Handels einig wurden zu teilen und durchzugehen. Sonach persuadierte ich drei, daß sie mir halfen die andern vier tot zu schießen, und wir teileten das Geld. Unterwegs überredete ich noch einen, daß er auch die zween übrigen nieder schießen half. Den letzten erwürgte ich auch. So kam ich nach Werle, allwo ich mich anwerben ließ und mit dem Gelde ziemlich lustig machte.
Ich hörte daselbst viel Rühmens von einem jungen Soldaten in Soest, der sich treffliche Beuten und einen großen Namen machte. Man nannte ihn wegen seiner grünen Kleidung den Jäger. Mein Geld ging auf die Neige, derhalben ich mir einen grünen Wams und Hosen machen ließ und auf seinem Namen mit Verübung allerhand Exorbitantien in allen Quartieren stahl, soviel ich konnte. Der Jäger ließ mich herausfordern, aber der Teufel hätte mit ihm fechten mögen, den er auch in den Haaren sitzen hatte. Der würde mir meine Festigkeit schön aufgetan haben. Doch konnte ich seiner List nicht entgehen. Er praktizierte mich mich Hülfe zweier leibhaftiger Teufel in eine Schäferei und zwang mich zu der spöttlichsten Sache von der Welt, davon ich mich dergestalt schämte, daß ich hinweg nach Lippstadt lief.