Ich nahm fürders holländische Dienste, allwo ich zwar richtigere Bezahlung aber vor meinen Humor einen langweiligen Krieg fand, dann da wurden wir eingehalten wie die Mönche und sollten züchtiger leben als die Nonnen.

Also gedachte ich mich zu den Spanischen zu schlagen und entwich, maßen mir der holländer Boden heiß geworden war. Allein mir ward der Kompaß verruckt, daß ich unversehens an die Bayrischen geriet. Mit denselben marschierte ich unter den Merode-Brüdern aus Westfalen bis ins Brißgäu und nährte mich mit Spielen und Stehlen, bis das Treffen vor Wittenweyer vorüberging, in welchem ich gefangen, abermals unter ein Regiment zu Fuß gestoßen und also zu einem Weimarischen Soldaten gemacht ward. Es wollte mir aber im Läger vor Breisach nicht gefallen, darum quittierte ichs bei Zeiten und ging davon, vor mich selbst zu kriegen, wie du siehest.«


[Das neunte Kapitel]

Als Olivier seinen Diskurs dergestalt vollführte, konnte ich mich nicht genugsam über die göttliche Vorsehung verwundern. Dann sollte diese Bestia gewußt haben, daß ich der Jäger von Soest gewesen wäre, so hätte er mir gewißlich wieder eingetränkt, was ich ihm hiebevor auf der Schäferei getan. Ich sahe erst, was ich dem Olivier vor einen Possen erwiesen und wie weislich und obscur der alte Herzbruder seine Weissagungen gegeben, und wie es dannoch schwer fallen würde und seltsam hergehen müßte, da ich eines solchen Tod, der Galgen und Rad verdienet hätte, rächen sollte. Indem ich nun solche Gedanken machte, ward ich in Oliviers Gesicht etlicher Ritze gewahr, die ich vor Wahrzeichen des Spring-ins-Feld und seiner Teufelskrallen hielte. Ich fragte, woher ihm solche Zeichen kämen.

»Ach Bruder,« antwortete er, »wann ich dir alle meine Bubenstücke und Schelmerei erzählen sollte, so würde beides: mir und dir die Zeit zu lang werden. Ich will dir hievon auch die Wahrheit sagen, obschon es scheinet, als gereiche sie mir zum Spott.

Ich glaube gänzlich, daß ich vom Mutterleib an zu einem gezeichneten Angesicht vorbestimmt gewesen sei. In meiner Jugend ward ich von meinesgleichen Schuljungen zerkratzt, so hielt mich auch einer von denen Teufeln, die dem Jäger von Soest aufwarteten, überaus hart, maßen man seine Klauen wohl sechs Wochen in seinem Gesicht spürete. Diese Striemen aber, die du jetzt siehest, haben einen anderen Ursprung: Als ich unter den Schweden im Pommer lag und eine schöne Matresse hatte, mußte mein Wirt aus seinem Bette weichen und uns hineinlegen lassen. Seine Katze, die in demselben Bette zu schlafen gewohnt war, kam alle Nacht und machte uns große Ungelegenheit, dann meine Matresse konnte keine Katze leiden und verschwur sich hoch, sie wollte mir in keinem Fall mehr Liebes erweisen, bis ich ihr zuvor die Katze hätte abgeschafft. So gedachte ich mich an der Katze zu rächen, daß ich auch eine Lust daran haben möchte. Steckte sie derhalben in einen Sack, nahm meines Wirts beide starke Baurenhunde mit mir auf eine breite, lustige Wiese und gedachte da meinen Spaß zu haben, dann ich vermeinte, weil kein Baum in der Nähe war, auf den sich die Katze retirieren konnte, würden sie die Hunde eine Weile hin und her jagen, wie einen Hasen raumen und mir eine treffliche Kurzweile anrichten. Aber Potz Stern! es ging mir nicht allein hundeübel, wie man zu sagen pfleget, sondern auch katzenübel, maßen die Katze, sobald ich den Sack auftat, nur ein weites Feld, ihre zwei starken Feinde und nichts Hohes vor sich sahe, dahin sie ihre Zuflucht hätte nehmen mögen. Derowegen sprang sie auf meinen Kopf. — Je mehr ich sie nun herunter zu zerren trachtete, je fester schlug sie ihre Krallen ein. Solch unserem Gefecht konnten die beiden Hunde nicht lang zusehen, sondern mengten sich mit ins Spiel, sie sprangen mit offenem Rachen hinten, vorne, zur Seite nach der Katze, die sich mit ihren Klauen einkrallete, so gut sie konnte. Tät sie aber mit ihrem Dornhandschuh einen Fehlstreich nach den Hunden, so traf mich derselbe gewiß. Weil sie aber auch die Hunde auf die Nase schlug, beflissen sich dieselbigen, sie mit ihren Talpen herunter zu bringen und gaben mir damit manchen Griff ins Gesicht. Wann ich aber selbst mit beiden Händen nach der Katze tastete, sie herunter zu reißen, biß und kratzte sie nach ihrem besten Vermögen. Also ward ich beides: von den Hunden und von der Katze dergestalt schröcklich zugerichtet, daß ich schwerlich einem Menschen gleichsahe. Mein Kragen und Koller war blutig wie eines Schmiedes Notstall am St. Stefanstag, wann man die Pferde zur Ader läßt, und ich wußte ganz kein Mittel, mich aus diesen Ängsten zu erretten. Zuletzt so mußte ich von freien Stücken auf die Erde niederfallen, damit beide Hunde die Katze erwischen konnten, wollte ich anderst nicht, daß mein Kapitolium noch länger ihr Fechtplatz sein sollte. Die Hunde erwürgten zwar die Katze, ich hatte aber bei weitem keinen so herrlichen Spaß davon. Dessentwegen ward ich so ergrimmt, daß ich nachgehends beide Hunde totschoß und meine Matreß dergestalt abprügelte, daß sie hätte Öl geben mögen und darüber von mir weglief, weil sie ohn Zweifel keine solche abscheuliche Larve länger lieben konnte.«

Ich hätte gerne gelacht und mußte mich doch mitleidentlich erzeigen. Und als ich eben auch anfing, meines Lebens Lauf zu erzählen, sahen wir eine Kutsche samt zwei Reutern das Land herauf kommen. Wir satzten uns in ein Haus, das an der Straße lag und sehr bequem war, Reisende anzugreifen. Olivier legte mit einem Schuß gleich den einen Reuter und das Pferd, eh sie unserer inne wurden, deswegen dann der andere gleich durchging. Indem ich mit übergezogenem Hahn den Kutscher halten und absteigen gemachet, sprang Olivier auf ihn dar und spaltete ihm mit seinem breiten Schwert den Kopf bis auf die Zähne, wollte auch gleich die Frauenzimmer und Kinder metzgen, so vor Schröcken mehr den toten Leichen als den Lebenden gleich sahen. Ich aber wollte es rund nicht gestatten und sagte, er müßte mich zuvor erwürgen.

»Ach, du närrischer Simplici, daß du so ein heilloser Kerl bist und dich dergestalt anläßt!«