»Ach nein, Hearr, ich bring sie der Gräfin, die im Sauerbrunn badet. Der Doktor Hans in allen Gassen hat etliche Kräuter geordnet, so die Geiß essen muß. Was sie dann vor Milch gibt, die nimmt der Doktor und machet der Gräfin noch so ein Arznei drüber, dann muß sie die Milch trinken. Man seit, es mangle der Gräfin am Gehäng.«

Unter währender solcher Relation besann ich, auf was Weise ich noch mit dem Baurn reden möchte, bot ihm derhalben einen Taler mehr um die Geiß als die Gräfin. Solches ging er gleich ein, doch mit dem Beding, er sollte der Gräfin zuvor angeben, daß ihm ein Taler mehr darauf geboten, er wollte mir den Handel auf den Abend anzeigen.

Also ging mein Knän seines Wegs und auch ich drehete mich bald von der Kompanie ab und ging hin, wo ich meinen Knän wiederfand; der hatte seine Geiß noch. Ich führete ihn auf meinen neuen Hof, bezahlte die Geiß und hängte ihm einen halben Rausch an. Sodann fragte ich ihn nach seinem Knaben.

»Ach Herr, der Mansfelder Krieg hat mir ihn beschert, und die Nördlinger Schlacht hat mir ihn wieder genommen.« Nach verlorener Schlacht bei Höchst habe des Mansfelder flüchtig Volk sich weit und breit zerstreuet. Viel seien in den Spessart gekommen, weil sie die Büsche suchten, sich zu verbergen, aber indem sie dem Tod in der Ebene entgingen, hätten sie einen in den Bergen gefunden, dann damalen ginge selten ein Baur in die Büsche ohn sein Feuerrohr, da man zu Haus bei Hauen und Pflügen nicht bleiben konnte. In demselben Tumult habe er nicht weit von seinem Hof in dem wilden ungeheuren Wald eine schöne, junge Edelfrau samt einem stattlichen Pferd getroffen, so er anfänglich vor einen Kerl gehalten, weil sie so mannlich daherritte. Indem sie beides: Händ und Augen zum Himmel aufgehoben und auf wälsch mit einer erbärmlichen Stimme zu Gott gerufen, habe er sein Rohr sinken lassen und den Hahn wieder zurückgezogen, dann er gesehen, daß sie ein betrübtes Weibsbild wäre. Indem er näher getreten riefe sie ihn an: »Ach, wann Ihr ein ehrlicher Christenmensch seid, so bitte ich Euch um Gottes und seiner Barmherzigkeit, ja um des jüngsten Gerichtes willen, Ihr wollet mich zu ehrlichen Weibern führen, die mich durch göttliche Hilfe von meines Leibes Bürde entledigen helfen!« Diese Worte hätten ihn samt der holdseligen Aussprache zu solcher Erbärmde gezwungen, daß er ihr Pferd beim Zügel nahm und sie durch Hecken und Stauden an den allerdicksten Ort des Gesträuchs führete, da er selbst Weib, Kind, Gesind und Viehe hingeflüchtet gehabt. Daselbst seie sie ehender als in einer halben Stund des jungen Knaben genesen.

Ich sprach ihm gütlich zu. Da er aber sein Glas ausgeleert hatte, fragte ich wie es darnach weiter mit der Frau gegangen.

Er antwortete, sie habe ihn zum Gevatter gebeten und ihm auch ihres Mannes und ihren Namen genennt, damit sie möchten ins Taufbuch geschrieben werden. Indem habe sie ihr Felleisen aufgetan, darin sie wohl köstliche Sachen hatte, und ihm, seinem Weib und Kind, der Magd und sonst allen geschenkt. Aber indem sie so damit umging und von ihrem Mann erzählete, sei sie unter den Händen der Weiber gestorben. Pfarrer und Schultz hätten ihm darnach befohlen, das Kind aufzuziehen und vor Mühe und Kosten der Fraue ganze Hinterlassenschaft zu behalten, ausgenommen etliche Paternoster, Edelsteine und sonst Geschmeiß. Also sei das Kind von der Bäurin mit Geißmilch auferzogen worden.

»Ihr habet mir,« sagte ich, »eine artliche Geschichte erzählt und doch das Beste vergessen, dann Ihr habet nicht gesagt, weder wie die Frau noch ihr Mann oder das Kind geheißen.«

Er antwortete: die Edelfrau habe Susanna Ramst, ihr Mann Kapitain Sternfels von Fuchsheim geheißen, und weil er Melchior hieße, so habe er den Buben bei der Taufe auch Melchior Sternfels von Fuchsheim nennen und ins Taufbuch schreiben lassen.

Hieraus vernahm ich umständlich, daß ich meines Einsiedels und der Schwester des Gubernators Ramsey leiblicher Sohn gewesen. Aber ach, leider viel zu spat! Dann meine Eltern waren schon beide tot.

Ich deckte meinen Paten vollends mit Wein zu und ließ den andern Tag auch sein Weib holen. Da ich mich ihnen nun offenbarte, wollten sie's nicht glauben, bis ich ihnen einen schwarzen haarigen Fleck aufgewiesen, den ich auf der Brust habe.