[Das fünfte Kapitel]
Ohnlängst hernach nahm ich meinen Pflegvater zu mir und tät mit ihm einen Ritt hinunter in Spessart, glaubwürdigen Schein und Urkund meines Herkommens und ehelicher Geburt zu Wege zu bringen, welches ich unschwer erhielt. Ich kehrete auch bei dem Pfarrer ein, der sich zu Hanau aufgehalten, und ließ über meine ganze Histori aus der Zeugen Mund durch einen Notarium ein Instrument aufrichten, dann ich dachte, wer weiß, wo du es noch einmal brauchst. Solche Reise kostete mich über vierhundert Taler, dann auf dem Rückweg ward ich von einer Partei erhascht, abgesetzt und geplündert, also daß ich und mein Knän nackend und kaum mit dem Leben davonkam.
Indessen ging es daheim noch schlimmer zu. Dann nachdem mein Weib vernommen, daß ihr Mann ein Junker sei, spielte sie nicht allein die große Frau, sondern verliederlichte auch alles in der Haushaltung, was ich, weil sie großen Leibes war, stillschweigend ertrug. Überdas ward mir das meiste und beste Viehe von einer Seuche dahingerafft. Dieses alles wäre noch zu verschmerzen gewesen. Aber, o mirum, kein Unglück allein! In der Stunde, darin mein Weib genase, ward die Magd auch Kindbetterin. Das Kind zwar, so sie brachte, sahe mir allerdings ähnlich, das Kind meines Weibes hingegen sahe dem Knecht so gleich, als wanns ihm aus dem Gesicht wäre geschnitten worden. Jedoch es gehet nicht anders her, wann man in einem so gottlosen und verruchten Leben seinen viehischen Begierden folget.
Nun was halfs, ich mußte taufen. Andernteils nahm es mein Weibgen nur auf die leichte Achsel. Doch die Magd mußte aus dem Haus, dann mein Weib argwöhnete, was ich ihretwegen vom Knecht gedachte. Indessen ich ward von dieser Anfechtung heftig gepeinigt, daß ich meinem Knecht ein Kind aufziehen, das Meinige aber von der Magd nicht mein Erbe sein sollte, und daß ich dabei froh sein mußte, weil sonst niemand nichts wußte.
Mit solchen Gedanken marterte ich mich täglich, mein Weib aber delektierte sich stündlich mit Wein, dann sie hatte sich das Kumpen sint unserer Hochzeit dergestalt angewöhnt, das es ihr selten vom Maul kam und sie selbsten gleichsam keine Nacht ohne einen ziemlichen Rausch schlafen ging. Davon soff sie ihrem Kind zeitlich das Leben ab und entzündete sich das Gehäng dergestalt, daß es ihr bald hernach entfiel und mich wieder zum Witwer machte. Das ging mir so zu Herzen, daß ich mich fast krank darüber gelachet hätte.
Ich befand mich solchergestalt wieder in meiner ersten Freiheit. Mein Beutel war ziemlich geleeret, ich hingegen mit großer Haushaltung vielem Viehe und Gesind beladen. Also nahm ich meinen Paten Melchior vor einen Vater und dessen Frau vor eine Mutter, den Magdsohn aber vor meinen Erben an und übergab den beiden Alten Haus und Hof samt meinem ganzen Vermögen, bis auf gar wenig gelbe Batzen und Kleinodien. Ich hatte einen Ekel ob aller Weiber Beiwohnung und Gemeinschaft, ich nahm mir vor, mich nicht mehr zu verheiraten.
Diese beiden Alten gossen meine Haushaltung gleich in einen andern Model. Sie schafften vom Gesind und Viehe ab, was nichts nütze und bekamen hingegen auf den Hof, was etwas eintrug. Sie vertrösteten mich alles Guten und versprachen, wann ich sie nur hausen ließe, so wollten sie mir allweg ein gut Pferd auf der Streu halten und so viel verschaffen, daß ich je zu Zeiten mit einem ehrlichen Biedermann eine Maß Wein trinken könnte. Ich spürete es auch gleich. Mein Pate bestellte mit dem Gesind den Feldbau, schacherte mit Viehe und mit dem Holz- und Harzhandel ärger als ein Jud und meine Götfrau legte sich auf die Viehzucht und wußte Milchpfennige besser zu gewinnen und zusammen zu halten, als zehen solcher Weiber, wie ich eins gehabt hatte. Auf solche Weise ward mein Baurenhof in kurzer Zeit vor den besten in der ganzen Gegend geschätzet. —
Einsmals spazierte ich in Sauerbrunn, jedoch nicht um mich mit Stutzern bekannt zu machen, dann ich fing an meiner Alten Kargheit nachzuahmen, gleichwohl geriet ich zu einer Gesellschaft mittelmäßigen Standes, weil sie von einer seltenen Sache, nämlich vom Mummelsee diskutierten. Der war in der Nachbarschaft auf einem von den höchsten Bergen gelegen, unergründlich, und wunderbarliche Fabeln verlauteten von ihm.