Einer sagte, wann man ungrad, es seien gleich Erbsen, Steinlein oder etwas andres in ein Nastüchlein binde und hinein hänge, so veränderte es sich in grad, also auch grad in ungrad. Die meisten aber gaben vor und befestigten es auch mit Exempel, wann man ein oder mehrere Steine hineinwürfe, so erhebe sich gleich, Gott gebe wie schön auch der Himmel zuvor gewesen, ein grausam Ungewitter mir schröcklichem Regen, Schloßen und Sturmwinde. Einer erzählte, daß auf ein Zeit, da etliche Hirten ihr Viehe bei dem See gehütet, ein brauner Stier herausgestiegen, welcher sich zu dem andern Rindviehe gesellet, dem aber gleich ein kleines Männlein nachgefolget, ihn wieder zurück zu treiben. Auch seie einsmals ein Baur mit seinem Ochsen und etlichen Holzplöchern über den gefrornen See gefahren, ohn einzigen Schaden, als ihm aber sein Hund nachkommen, sei das Eis mit ihm gebrochen und der arme Hund allein hinunter gefallen und nicht mehr gesehen worden. Noch einer behauptete bei großer Wahrheit, es sei ein Schütze auf der Spur des Wildes bei dem See vorübergegangen, der hätte auf dem Wasser ein Männlein sitzen sehen, das einen ganzen Schoß voll gemünzter Goldsorten gehabt und gleichsam damit gespielet hätte. Und als er nach demselben Feuer geben wollen, hätte sich das Männlein geduckt und gerufen: »Wann du mich gebeten deiner Armut zu Hilf zu kommen, so wollte ich dich reich genug gemacht haben.«

Solche und andere Historien verlachte ich. Aber es fanden sich Baursleute, und zwar alte, glaubwürdige Männer, die erzählten, wie dann ein regierender Herzog von Württemberg ein Floß machen ließ, die Tiefe zu ergründen. Nachdem die Messenden aber bereits neun Zwirnnetz mit einem Senkel hinunter gelassen und gleichwohl noch keinen Boden gefunden, hätte das Floß wider die Natur des Holzes angefangen zu sinken, also daß sie von ihrem Vornehmen abstehen und sich hätten ans Land salvieren müssen, maßen man noch heutzutag die Stücke des Flosses am Ufer und zum Gedächtnus dieser Geschicht das fürstlich württembergsche Wappen in Stein gehauen vor Augen sehe.

Die Begierde, den Mummelsee zu beschauen, vermehrte sich bei mir, als ich von dem Knän verstund, daß er auch dort gewesen und den Weg wisse. Da er aber hörete, daß ich überein auch darzu wollte, sagte er: »Der Herr Sohn wird nichts andres sehen, als das Ebenbild eines Weihers, der mitten in einem großen Walde liegt, und wann er seine jetzige Lust mit beschwerlicher Unlust gebüßet, so wird er nichts andres als Reue, müde Füße und den Hergang vor den Hingang davon haben.«

Da er aber meinen Ernst sahe, meinete er, dieweil die und auf dem Hof weder zu hauen noch zu ernten, wolle er selbst mit mir gehen; dann er hatte mich so lieb und prangte mit mir, weil die Leute im Land glaubten, daß ich sein leiblicher Sohn sei.

Also wanderten wir miteinander über Berg und Tal und kamen zum Mummelsee, eh wir sechs Stunden gegangen waren, dann mein Pate war noch so käfermäßig und sowohl zu Fuß als ein Junger. Nachdem wir uns an Speis und Trank erquickt, beschauete ich den See und fand die etlichen gezimmerten Hölzer des Württembergischen Flosses darin liegen. Die Luft war ganz windstill und wohl temperiert, so wollte ich auch probieren, was Wahrheit an der Sagenmär wäre, sintemal ich allbereit die Sage, daß der See keine Forellen leide, am mineralischen Geschmack des Wassers als natürlich zu sein befunden.

Ich ging gegen der linken Hand an dem See hin, da das Wasser wegen der abscheulichen Tiefe des Sees gleichsam kohlschwarz zu sein scheinet und deswegen so förchterlich aussiehet. Daselbst fing ich an große Steine hinein zu werfen, als ich sie nur immer erheben und ertragen konnte. Mein Knän warnete mich und bat, ich aber continuierete meine Arbeit emsig fort, bis ich über dreißig Steine in den See brachte.

Da fing die Luft an, den Himmel mit schwarzen Wolken zu bedecken, in welchen ein grausamer Donner gehöret ward, also daß mein Knän, der jenseits des Sees bei dem Auslauf stund, über meine Arbeit lamentierte und mir zuschrie, ich sollte mich doch salvieren, damit uns Regen und das schröckliche Wetter nicht ergreife. Ich aber antwortete: »Vater, ich will bleiben und des Endes erwarten, sollte es auch Hellebarten regnen.«

Er schmälete noch weiterhin zu mir herüber, ich verwandte aber die Augen nicht von der Tiefe und sahe weit untern gegen den Abgrund etliche Kreaturen im Wasser herumfladern, die mich der Gestalt nach an Frösche ermahneten und gleichsam wie Schwärmerlein aus einer aufsteigenden Rakete in der Luft herumvagierten. Je näher sie kamen, desto größer und an Gestalt den Menschen ähnlicher schienen sie meinen Augen, weswegen mich dann erstlich eine große Verwunderung und endlich ein Grausen und Entsetzen ankam.

»Ach,« rief ich vor Schröcken so laut, daß es mein Knän wohl hören konnte, »wie seind die Wunderwerke des Schöpfers auch sogar im Bauch der Erden und in der Tiefe des Wassers so groß!«

Da war schon eins von den Sylphen oben auf dem Wasser und antwortete: »Das bekennst du, ehe du etwas davon gesehen hast, was würdest du wohl sagen, wann du erst selbsten im Centro der Erden wärest und unsere Wohnung, die dein Fürwitz beunruhiget, beschautest!«