Unterdessen kamen noch mehr dergleichen Wassermännlein, gleichsam wie Tauchentlein hervor. Sie brachten die Steine wieder herauf, worüber ich ganz erstaunete. Der Erste und Vornehmste unter ihnen, dessen Kleidung wie lauter Gold und Silber glänzete, warf mir einen leuchtenden Stein zu, so groß wie ein Taubenei und so grün und durchsichtig, wie ein Smaragd.
»Nimm das Kleinod, damit du etwas von uns und diesem See zu sagen wissest.«
Ich hatte ihn aber kaum aufgehoben und zu mir gesteckt, da ward mir nicht anderst, als ob mich die Luft hätte ersticken und ersäufen wollen, derhalben ich mich dann nicht länger aufrecht behalten konnte, sondern herumtaumelte wie eine Garnwinde und endlich gar in den See hinunter fiel. Sobald ich aber ins Wasser kam, erholete ich mich wieder und atmete aus Kraft des Steins das Wasser anstatt der Luft. Ich konnte auch gleich sowohl als die Wassermännlein in dem See herumwebern, maßen ich mich mit ihnen in den Abgrund hinunter tät, als wann sich eine Schar Vögel mit Umschweifen gegen die Erde nieder lässet.
Da mein Knän dies Wunder, samt meiner gählingen Verzückung gesehen, trollete er sich von dem See hinweg und heim zu, als ob ihm der Kopf brennte. Daselbst erzählete er den Verlauf. Etliche glaubten ihm, die meisten aber hielten es vor eine Fabel.
[Das sechste Kapitel]
Der Fürst über den Mummelsee, so mich begleitete, sagte mir, daß wir durch die halbe Erde just neunhundert deutscher Meilen hätten, und wer zum Centro der Erde wolle, der müßte durch einen dergleichen Seen seinen Weg nehmen, deren hin und wieder so viel, als Tag im Jahr seien, in der Welt wären und alle bei ihres Königs Wohnung zusammen stießen. In solchem sanften Abfahren konnte ich mit dem Mummelseeprinzen allerhand diskurieren, dann ich bemerkte seine Freundlichkeit. So fragte ich, zu was Ende sie mich einen so weiten, gefährlichen Weg mit sich nähmen. Er antwortete mir gar bescheiden, der Weg sei nicht weit und in einer Stunde spaziert, er sei nicht gefährlich, dieweil ich in seiner Gesellschaft mit dem überreichten Stein hinabführe, daß er mir aber ungewöhnlich vorkomme, sei nicht zu verwundern. Darauf bat ich ihn ferner, mir zu berichten, weshalb der gütige Schöpfer so viel wunderbarliche Seen erschaffen.
»Du fragst billig um dasjenige, was du nicht verstehst, diese Seen sind um dreierlei Ursachen willen geschaffen. Erstlich werden durch sie alle Meere gleichsam wie mit Nägeln an die Erde geheftet, zweitens werden von uns durch diese Seen die Wasser aus den Tiefen des Ozeans in alle Quellen der Erde getrieben, wovon Flüsse und Ströme entstehen, der Erdboden befeuchtiget, die Gewächse erquicket und beides: Mensch und Vieh getränket werden, drittens, daß wir als vernünftige Kreaturen Gottes darin leben und Gott loben. Wann wir aber aus einer andern Ursache unsere Geschäfte unterlassen müssen, so wird die Welt durchs Feuer untergehen, dann zu dieser Zeit, so alle Wasser verschwinden, wird die Erde von sich selbst durch die Sonnenhitze entzündet.«
Da ich ihn also gleichsam die heilige Schrift anziehen hörete, fragte ich, ob sie sterbliche Kreaturen wären, oder ob sie Geister seien. Darauf antwortete er, sie seien keine Geister sondern sterbliche Leutlein und gab mir folgends eine Genealogia oder Stammtafel aller Kreatur, indem er mir fürderst von der Erschaffung der Engel erzählete und den Sturz derer, so aus Hoffart gefallen, folgends wie Gott die Welt mit allen Kreaturen aus seinem göttlichen Willen hervorgehen ließe und also auch den irdischen Menschen zu solchem End geschaffen, daß er Gott loben und sich vermehren sollte, bis sein Geschlecht so groß sei, die Zahl der gefallenen Engel zu ersetzen. Dann die heilige, entleibte Seele eines zwar irdischen, doch himmlisch gesinnten Menschen hat alle guten Eigenschaften des Engels an sich, der entseelte Leib eines irdischen Menschen aber ist gleich dem andern Aas eines unvernünftigen Tieres. Kam demnach zum Beschluß auf das Geschlecht der Sylphen und sagte: »Uns selbsten setzten wir vor das Mittel zwischen euch und allen lebendigen Kreaturen der Welt. Sintemal obgleich wir wie ihr vernünftige Seelen haben, so sterben jedoch dieselbige mit unseren Leibern hinweg, gleichsam als wie die lebhaften Geister der unvernünftigen Tiere in ihrem Tod verschwinden. Zwar ist uns kundbar, daß ihr durch den ewigen Sohn Gottes aufs höchste geadelt seid und euch die ewige Seligkeit wiederum erworben ist, aber ich rede und verstehe nichts von der Seligkeit, weil wir deren zu genießen nicht fähig sein. Uns hat der allgütige Schöpfer genugsam in dieser Zeitlichkeit beseeligt, als mit einer guten, gesunden Vernunft, mit Erkanntnus seines heiligen Willens, mit gesunden Leibern, langem Leben und einer edlen Freiheit, mit genugsam Wissenschaft und Kunst und, was das allermeiste ist, wir sind keiner Sünde, dannenhero auch keiner Strafe, ja nicht einmal der geringsten Krankheit unterworfen.«