Mithin kamen wir wiederum vor das Angesicht des Königs, da bemerkte ich, wie die Sonne einen See nach dem andern beschiene und ihre Strahlen bis in diese schröckliche Tiefe herunter warf, also daß den Sylphis niemalen kein Licht mangelte. Man brauchte zum Imbiß weder Wein noch stark Getränke, aber anstatt dessen tranken sie Perlen, als welche noch nicht erhärtet waren, aus; die gaben ihnen treffliche Stärke.

Indessen hatte sich die Zeit genähert, daß ich wieder heim sollte, derhalben befahl der König, ich sollte meinen Wunsch tun. Da antwortete ich, es könnte mir keine größere Gnade widerfahren, als wann er mir einen rechtschaffenen medicinalischen Sauerbrunn auf meinen Hof würde zukommen lassen.

»Ist es nur das? Ich hätte vermeint, du würdest etliche große Smaragde mit dir nehmen. Jetzt sehe ich, daß kein Geiz bei euch Christen ist.«

Mithin reichte er mir einen Stein von seltsam wechselnden Farben und sagte: »Diesen stecke zu dir. Wo du ihn auf den Erdboden legen wirst, daselbst wird er anfahen, das Centrum wieder zu suchen und die bequemsten Mineralia durchgehen, bis er wieder zu uns kommt und dir unsretwegen eine herrliche Sauerbrunnquelle zuschicket, die dir so wohl bekommen und zuschlagen soll, als du mit Eröffnung der Wahrheit um uns verdienet hast.«

Darauf nahm mich der Fürst vom Mummelsee wieder in sein Geleit. Diese Heimfahrt dünkte mich viel weiter als die Hinfahrt, also daß ich auf dritthalbtausend wohlgemessener deutscher Meilen rechnete. Auch redete ich mit meinen Begleitern nichts. Im übrigen war ich in meiner Phantasie mit meinem Sauerbrunn so reich, daß alle meine Gedanken und Witz genug zu tun hatten zu beratschlagen, wo ich ihn hinsetzen und wie ich mir ihn zu Nutz machen wollte. Da hatte ich allbereits meine Anschläge wegen der ansehnlichen Gebäude, die ich dazusetzen mußte, damit die Badegäste auch rechtschaffen accomodiert seien und ich ein großes Losamentgeld aufheben möchte. Ich ersann schon, durch was vor Schmiralia ich die Medicos dahinbringen wollte, daß sie meinen neuen Wundersauerbrunn allen andern, ja gar den Schwalbacher vorziehen und mir einen Haufen neuer Badegäste zuschaffen sollten. Ich machte schon ganze Berge eben, damit sich die Ab- und Zufahrenden über keinen mühsamen Weg beschwereten. Ich dingete schon verschmitzte Hausknechte, geizige Köchinnen, vorsichtige Bettmägde, wachsame Stallknechte, saubere Bad- und Brunnenverwalter und sann auch allbereits einen Platz aus, auf welchem ich mitten im wilden Gebürge, bei meinem Hof einen schönen, ebenen Lustgarten pflanzen und allerlei rare Gewächse darin ziehen wollte, damit die fremden Herren Badegäste mit ihren Frauen darin spazieren, sich die Kranken erfrischen, die Gesunden mit allerhand kurzweiligen Spielen ergötzen und errammlen können. Da mußten mir die Medici, doch um die Gebühr, einen herrliche Tractat von meinem Brunn und dessen köstliche Qualität zu Papier bringen, welchen ich alsdann neben einem schönen Kupferstich, darin mein Baurenhof im Grundriß entworfen, wohl drucken lassen konnte, aus welchem ein jeder abwesende Kranke sich gleichsam halb gesund lesen und hoffen möchte. Ich ließ bereits meinen Sohn von L. holen, doch dorfte er mir kein Bader werden, dann ich hatte mir vorgenommen, meinen Gästen obzwar nicht den Rücken, so doch aber ihren Beutel tapfer zu schröpfen.

Mit solchen reichen Gedanken und überseligem Phantasiehandel erreichte ich wiederum die Luft, maßen mich mein Prinz allerdings mit trockenen Kleidern aus seinem Mummelsee ans Land satzte. Doch mußte ich das Kleinod, so er mir anfänglich gegeben, stacks von mir tun, dann ich hätte sonst in der Luft ersaufen oder Atem zu holen den Kopf wieder in das Wasser stecken müssen. Da er den Stein wieder zu sich genommen, beschirmten wir einander als Leute, die einander nimmer wieder zu sehen würden bekommen. Er duckte sich und fuhr wieder mit den seinigen in den Abgrund. Ich aber ging mit meinem Quellenstein voll Freuden davon.

Aber ach, meine Freude währete nicht lang! Indem ich noch immerfort Kalender machte, wie ich den köstlichen Wunderbrunn auf meinen Hof setzen und mir darbei einen geruhigen Herrenhandel schaffen möchte, stund ich, eh ich meiner Verirrung gewahr ward, mitten in einer Wildnus wie Matz von Dresden beides: ohne Speis und Gewehr, dessen ich gegen die bevorstehende Nacht wohl bedörftig gewesen wäre. Geduld, Geduld, dein Stein wird dich aller überstandenen Not wiederum ergetzen! Gut Ding will Weile haben! Vortreffliche Sachen werden ohne große Mühe und Arbeit nicht erworben, sonst würde jeder Narr ohn Schnaufens und Bartwischens einen solchen edlen Sauerbrunn zuwege bringen.

Ich trat tapferer auf die Sohlen. Der Vollmond leuchtete mir zwar fein, aber die hohen Tannen ließen mir sein Licht nicht so wohl gedeihen, doch kam ich soweit fort, bis ich um Mitternacht von weitem ein Feuer gewahr ward. Etliche Waldbauren saßen darbei, die mit Harz zu tun hatten.

Wiewohl nun solchen Gesellen nicht allezeit zu trauen, so zwang mich doch die Not zu ihnen. Ich hinterschlich sie unversehens und sagte: »Guten Abend, ihr Herrn!«

Da stunden und saßen sie alle sechse vor Schröcken zitternd. Dann weil ich einer von den Längsten bin, noch schwarze Trauerkleider anhatte, zumalen einen schröcklichen Prügel in den Händen trug, auf welchem ich mich wie ein wilder Mann steurete, kam ihnen meine Gestalt entsetzlich vor. Endlich erholete sich einer.