Als ich nun hierauf schwieg und mich bedachte, fuhr der König fort: »Dran! Dran! Fang am höchsten an und beschließ am niedersten. Es muß doch sein, wann du anders wieder auf den Erdboden willst.«

Ich antwortete: »Wann ich am höchsten anfahen soll, so mach ichs billig bei den Geistlichen, diese seind gemeiniglich alle, sie seien auch gleich, was vor Religion sie immer wollen, rechtschaffene Verächter der Ruhe, Vermeider der Wollüste, in ihrem Beruf begierig zur Arbeit, geduldig gegen Verachtung, demütig bei ihren Verdiensten, hochmütig gegen die Laster. Und gleichwie sie sich allein befleißen, Gott zu dienen und andere Menschen mehr durch ihre Exempel als durch Worte zum Reiche Gottes zu bringen, also haben die weltlichen hohen Häupter allein ihr Absehen auf die liebe Justitia, welche sie dann ohn Ansehen der Person einem jedweden, Armen oder Reichen, durch die Bank hinaus schnurgerad erteilen und widerfahren lassen. Die Kaufleute handeln nie aus Geiz oder um Gewinns willen, sondern damit sie ihren Nebenmenschen mit ihrer Ware, die sie zu solchem Ende aus fernen Landen herbringen, bedient sein können. Die Wirte treiben nicht deswegen ihre Wirtschaften, reich zu werden, sondern damit sich der Hungrige, Durstende und Reisende bei ihnen erquicken, und sie die Bewirtung als ein Werk der Barmherzigkeit an den müden und kraftlosen Menschen üben können. Also suchet der Medicus nicht seinen Nutz, sondern die Gesundheit seines Patienten, wohin dann auch die Apotheker zielen. Die Handwerker wissen von keinen Vorteln, Lügen und Betrug, sondern befleißen sich, ihre Kunden mit dauerhafter und rechtschaffener Arbeit am besten zu versehen. Den Schneidern tut nichts Gestohlenes im Auge wehe, und die Weber bleiben aus Redlichkeit arm, daß sich auch keine Mäus bei ihnen ernähren können, denen sie ein Knäul Garn nachwerfen müßten. Man weiß von keinem Wucher, sondern der Wohlhäbige hilft dem Dürftigen aus christlicher Liebe ganz ungebeten. Und wann ein Armer nicht zu bezahlen hat, ohn merklichen Schaden und Abgang seiner Nahrung, so schenkt ihm der Reiche die Schuld aus freien Stücken. Man spüret keine Hoffart, dann jeder weiß und bedenkt, daß er sterblich ist. Man merket keinen Neid, dann es weiß und erkennet je einer den andern vor ein Ebenbild Gottes, das von seinem Schöpfer geliebt wird. Keiner erzörnt sich über den andern, weil sie wissen, daß Christus vor alle gelitten und gestorben. Man höret von keiner Unkeuschheit oder unordentlichen fleischlichen Begierden, sondern was so vorgehet, das geschieht aus Begierde und Liebe zur Kinderzucht. Da findet man keine Trunkenbolde oder Vollsäufer, sondern wann einer den andern mit einem Trunk ehrt, so lassen sich beide nur mit einem christlichen Räuschlein begnügen. Da ist keine Trägheit im Gottesdienst, dann ein jeder erzeiget einen emsigen Fleiß und Eifer, wie er vor allem andern Gott rechtschaffen dienen möge; und eben deswegen sind jetzund so schwere Kriege auf Erden, weil je ein Teil vermeinet, der andere diene Gott nicht recht. Es gibt keine Geizigen mehr, sondern Sparsame, keine Verschwender, sondern Freigebige, keine Kriegsgurgeln, die Leute berauben und verderben, sondern Soldaten die das Vaterland beschirmen, keine mutwilligen, faulen Bettler, sondern Verächter der Reichtümer und Liebhaber der freiwilligen Armut, keine Korn- und Weinjuden, sondern vorsichtige Leute, die den überflüssigen Vorrat auf den besorglichen künftigen Notfall vor das Volk aufheben und zusammenhalten.«


[Das siebente Kapitel]

Ich pausierte ein wenig und bedachte mich, aber der König sagte, er hätte bereits so viel gehöret, daß er nicht mehr zu wissen begehrete, wann ich wollte, so sollten sie mich gleich wieder an den Ort bringen, von wo sie mich genommen. Wollte ich aber eins oder das andere beschauen, so sollte ich in seinem Reiche sicher begleitet sein und alsdann werde ich mit einer Verehrung abgefertigt werden, daß ich zufrieden sein könnte. Da ich mich aber zu nichts entschließen konnte, wandte er sich zu etlichen, die eben in den Abgrund des Mare del Zur sich begaben. »Nehmt ihn mit und bringet ihn bald wieder, damit er noch heut auf den Erdboden gestellet werde!« Zu mir sagte er, ich möchte mich auf einen Wunsch besinnen.

Durch ein Loch, das etliche hundert Meilen lang war, kamen wir auf den Grund des friedsamen Meeres del Zur, darauf standen Korallenzinken so groß wie Eichbäume, von denen sie zur Speise mit sich nahmen, was noch nicht erhärtet und gefärbet war, dann sie pflegten sie zu essen, wie wir die jungen Hirschgeweihe. Da sahe ich Schneckenhäuser so groß als ein Rondell und breit als ein Scheuertor. Item Perlen so dick als Fäuste, welche sie anstatt der Eier aßen. Der Boden lag überall mit Smaragden, Türkis, Rubinen, Diamanten und andern Edelsteinen überstreut, gemeiniglich so groß wie Bachkiesel. Da sahe man hier und dort gewaltige Schröffen viel Meilwegs in die Höhe ragen, die vor das Wasser hinausgingen und lustige Insuln trugen. Sie waren rund herum mit allerhand wunderbarlichen Meergewächsen gezieret und von mancherlei seltsamen Kreaturen bewohnet. Die Fische aber, groß und klein, von unzählbarer Art vagierten über uns im Wasser herum und gemahneten mich allerdings an so vielerlei Vögel, die sich in Frühlingszeit und im Herbst bei uns in der Luft erlustieren.

Als der, in dessen Obhut ich befohlen war, sahe, wie mir alles so wunderbarlich vorkam und ich darüber erstaunete, daß sie als Peruaner, Brasilianer, Mexikaner und Insulaner de los latrones dannoch so gut deutsch redeten, da sagte er, daß sie nicht mehr als eine Sprache könnten, die aber alle Völker auf den ganzen Umkreis der Erden in ihrer Sprache verstünden und sie hingegen wiederum, welches daher komme, daß ihr Geschlecht mit der Torheit des babylonischen Turmes nichts zu schaffen hätte.

Weil sich nun meine Begleitung genugsam verproviantiert hatte, kehrten wir in das Centrum der Erde zurück. Auf dem Wege sagte ich, die Wunder, die ich bisher gesehen, hätten mich so gar aus mir selbst gebracht, daß ich mich auf nichts bedenken könnte, sie wollten mir raten, was ich von dem König begehren sollte. Meine Meinung wäre, von ihm einen Gesundbrunnen auf meinen Hof zu erbitten, wie derjenige wäre, der neulich von sich selbst in Deutschland entsprungen sei. Mein Führer antwortete mir, solches würde in seines Königs Macht nicht stehen. Darauf fragte ich nach Ursach dessen und er antwortete: »Es befinden sich hin und wieder in der Erde leere Stätten, die sich nach und nach mit allerhand Metallen ausfüllen, schläget sich zu Zeiten durch die Spälte aus dem Centro, davon alle Quellen getrieben werden, Wasser darzu, welches dann um und zwischen den Metallen viel hundert Jahr sich enthält und der Metallen edle Art und heilsame Eigenschaften an sich nimmt, und suchet es endlich durch seinen starken Trieb einen Auslauf, so wird das Heilwasser nach so und soviel hundert Jahren zum allerersten ausgestoßen und tät alsdann in denen menschlichen Körpern die wunderbarliche Wirkung, die man an solchen neuen Heilbrunnen siehet. So es aber in schnellem Lauf durch die Metalle passieret, vermöchte es keine Tugenden oder Kräfte von den Metallen an sich nehmen.« Wann ich die Gesundheit, sagte er, so sehr affectiere, so sollte ich den König ersuchen, daß er mich dem König der Salamander, mit welchem er in Korrespondenz stünde, in eine Kur empfehle. Derselbe könne die menschlichen Körper durch einen Edelstein begaben, daß sie in keinem Feuer verbrennen mögen. Wenn man solche Menschen wie eine schleimige, alte, stinkende Tabakspfeife mitten in das Feuer setze, da verzehrten sich dann alle bösen Humores und schädlichen Feuchtigkeiten, und komme ein Patient wieder so jung, frisch, gesund und neugeschaffen hervor, als wann er Elixir Theophrasti eingenommen hätte.

Ich wußte nicht, ob mich der Kerl foppte oder ob es ihm ernst war, doch bedankte ich mich der vertraulichen Communication und sagte, ich besorge diese Kur sei mir als einem Cholerico zu hitzig. Mir würde nichts Lieberes sein, als wann ich meinen Mitmenschen eine heilsame, rare Quelle mit mir auf den Erdboden bringen könnte, welches ihnen zu Nutz, dem Könige im Centro der Erden zur Ehre, mir aber zu einem unsterblichen Namen und ewigem Gedächtnus gereichen würde. Darauf mußte ich hören, daß der König im Centro der Erden der Ehre oder Schande, so ihm unter den Menschen zugelegt werde, gleichviel achte.