Adieu Welt, dann du nimmst uns gefangen und läßt uns nicht wieder ledig, du bindest uns und lösest uns nicht wieder auf, du tötest ohne Urteil, begräbst ohne Sterben. Bei dir ist keine Freude ohne Kummer, kein Fried ohn Uneinigkeit, keine Ruhe ohne Forcht, keine Fülle ohne Mängel, keine Ehre ohne Makel, kein Gut ohne bös Gewissen, keine Freundschaft ohne Falschheit.

Adieu Welt, dann in deinem Palast dienet man ohn Entgelt, man liebkoset, um zu töten, man erhöhet, um zu stürzen, man hilft, um zu fällen, man ehrt, um zu schänden, man straft ohn Verzeihen.

Behüt dich Gott, Welt, dann in deinem Haus werden die großen Herren und Favoriten gestürzet, die Unwürdigen herfürgezogen, Verräter mit Gnaden angesehen, Getreue in Winkel gestellet, Unschuldige verurteilet, den Weisen und Qualifizierten gibt man Urlaub, den Ungeschickten große Besoldung, den Hinterlistigen wird geglaubet, und Aufrichtige und Redliche haben keinen Kredit. Ein jeder tut, was er will, und keiner, was er soll.

Adieu Welt, dann in dir wird niemand mit seinem rechten Namen genennet, den Vermessenen nennt man kühn, den Verzagten fürsichtig, den Ungestümen emsig, den Nachlässigen friedsam, ein Verschwender wird herrlich genannt, ein Karger eingezogen. Einen hinterlistigen Schwätzer und Plauderer nennet man beredt, den Stillen einen Narren oder Phantasten, einen Ehebrecher und Jungfrauenschänder nennt man einen Buhler, einen Unflat nennt man Hofmann, einen Rachgierigen eifrig, einen Sanftmütigen einen Phantasten.

Adieu Welt, dann du verführest jedermann: den Ehrgeizigen verheißest du Ehre, dem Unruhigen Veränderung, dem Hochtragenden Fürstengnade, dem Nachlässigen Ämter, Fressern und Unkeuschen Freude und Wollust, Feinden Rache, Dieben Heimlichkeit.

Adieu Welt, dann in deinem Palast findet weder Wahrheit noch Treue Herberge! Wer mit dir redet, wird verschamt, wer dir trauet, betrogen, wer dir folget, verführt. Du betreugst, stürzest, schändest, besudelst, drohest, vergissest jedermann; dannenhero weinet, seufzet, jammert, klaget und verderbt jedermann und jedermann nimmt ein Ende. Bei dir siehet und lernet man nichts, als einander hassen bis zum Würgen, reden bis zum Lügen, lieben bis zum Verzweifeln, handeln bis zum Stehlen, bitten bis zum Betrügen, sündigen bis zum Sterben.

Behüt dich Gott, Welt, dann dieweil man dir nachgehet verzehret man die Zeit in Vergessenheit, die Jugend mit Rennen, Laufen, Spielen, die Mannheit mit Pflanzen und Bauen, Sorgen und Klagen, Kaufen und Verkaufen, Zanken, Hadern, Kriegen, Lügen und Betrügen, das Alter in Jammer und Elend, in summa nichts als Mühe und Arbeit bis in den Tod.

Adieu Welt, dann niemand ist mit dir content oder zufrieden. Ist er arm, so will er haben, ist er reich, so will er gelten, ist er veracht, so will er hoch steigen, ist er beleidigt, so will er sich rächen, ist er in Gnaden, so will er viel gebieten, ist er lasterhaftig, so will er nur bei gutem Mut sein.

Adieu Welt, dann bei dir ist nichts beständig. Die hohen Türme werden vom Blitz erschlagen, die Mühlen vom Wasser hinweggeführet, das Holz wird von Würmern, das Korn von Mäusen, die Frucht von Raupen, die Kleider von Schaben gefressen. Das Viehe verdirbt vor Alter, der Mensch vor Krankheit.

O Welt, behüt dich Gott, dann in deinem Haus führet man weder ein heilig Leben noch einen gleichmäßigen Tod, der eine stirbt in der Wiege, der ander in der Jugend auf dem Bette, der dritt am Strick, der viert am Schwert, der fünft am Rad, der sechst auf dem Scheiterhaufen, der siebend im Weinglas, der acht in Freßhafen, der neunt verworgt am Gift, der zehnt durch Zauberei, der elft stirbt in der Schlacht, der zwölft ertränkt seine arme Seel im Tintenfaß.