Nachdem mir der sorgfältige, fromme Mann solches vorgehalten, hat er mit seiner Haue angefangen, sein eigenes Grab zu machen. Ich half, so gut ich konnte, wie er mir befahl.

»Mein lieber und wahrer, einziger Sohn, wann meine Seele an ihren Ort gegangen ist, so leiste meinem Leib deine Schuldigkeit und die letzte Ehre. Scharre mich mit dieser Erde wieder zu, die wir anjetzo aus der Grube graben.«

Darauf nahm er mich in seine Arme und druckte mich küssend viel härter an seine Brust, als einem Mann, wie er zu sein schiene, hätte müglich sein können.

»Liebes Kind, ich befehle dich in Gottes Schutz.«

Ich hingegen konnte nichts anders als klagen und heulen, ich hing mich an seine Büßerketten und vermeinte ihn damit zu halten.

Er aber sagte: »Laß mich, daß ich sehe, ob mir das Grab lang genug sei.«

Legte demnach die Kette ab samt dem Oberrock und begab sich in das Grab wie einer, der sich sonst schlafen legen will.

»Ach großer Gott, nun nimm wieder hin die Seele, die du mir gegeben!«

Hierauf beschloß er seine Lippen und Augen sänftiglich. Ich aber stund da wie ein Stockfisch etlich Stunden, dieweil ich ihn öfters in dergleichen Verzuckungen gesehen. Da sich aber mein allerliebster Einsiedel nicht mehr aufrichten wollte, stieg ich zu ihm ins Grab und fing an ihn zu schütteln, zu küssen und zu liebeln. Aber da war kein Leben mehr.

Nachdem ich lang mit jämmerlichem Geschrei hin und her geloffen, begann ich ihn zuzuscharren. Und wann ich kaum sein Angesicht bedeckt hatte, stieg ich wieder hinunter, entblößte es wieder, damit ichs noch einmal sehen und küssen konnte.