[Das achte Kapitel]

Über etliche Tage verfügte ich mich zu obgemeldtem Pfarrer und begehrte Rat von ihm. Unangesehen er mir nun stark widerraten, länger im Walde zu verbleiben, bin ich doch tapfer in meines Vorgängers Fußstapfen getreten, maßen ich den ganzen Sommer tät, was ein frommer Einsiedel tun soll. Aber gleichwie die Zeit alles ändert, so verringerte sich auch nach und nach mein Leid, und die scharfe Winterkälte löschte die innerliche Hitze meines steifen Vorsatzes zugleich aus. Jemehr ich anfing zu wanken, je träger ward ich in meinem Gebet und ich ließ mich die Begierde überherrschen, die Welt auch zu beschauen. Demnach gedachte ich wieder zu dem Pfarrer zu gehen und machte mich seinem Dorf zu, fand es aber in voller Flamme stehen, dann es eben eine Partei Reuter ausgeplündert und angezündet hatte. Die Bauren waren teils niedergemacht, viel verjaget und etliche gefangen, darunter auch der Pfarrer war. Die Reuter ruckten eben wegfertig aus und führten den Pfarrer an einem Strick daher. Unterschiedliche schrieen: Schieß den Schelmen nieder! Andre wollten Geld von ihm. Er hub die Hände auf und bat um des jüngsten Gerichtes willen um Verschonung und Barmherzigkeit. Aber einer ritte ihn übern Haufen und versetzte ihm gleich eins an Kopf, davon er alle vier von sich streckte.

Indem kam ein solcher Schwarm bewehrter Bauren aus dem Wald, als ob man in ein Wespennest gestochen hätte. Die fingen an so gräulich zu schreien, so grimmig drein zu setzen und drauf zu schießen, daß mir alle Haar zu Berg stunden, weil ich noch niemals bei dergleichen Kirchweih gewesen, dann die spessarter Bauren lassen sich fürwahr so wenig als andre auf ihrem Mist foppen. Davon rissen die Reuter aus und schlugen ihre ganze Beute in den Wind.

Diese Kurzweil benahm mir beinahe die Lust, die Welt zu beschauen, dann meine Wildnus mir anmutiger erschiene. Der Pfarrer lag ganz matt, schwach und kraftlos, doch hielt er mir vor, daß er nun selbst auf den Bettel geraten wäre, so hätte ich mich seiner Hilfleistung nichts zu getrösten. Zog demnach ganz traurig gegen den Wald, gedachte die Wildnus nimmer zu verlassen und ob es nicht möglich wäre, daß ich ohn Salz leben und also aller Menschen entbehren könnte. Mich zu bestärken zog ich meines Einsiedels hinterlassen hären Hemd an und hing seine Ketten über.

Den andern Tag als ich bei meiner Hütte saß und zugleich neben dem Gebet gelbe Ruben zu meines Leibes Unterhaltung briet, umringten mich an fünfzig Musketierer. Zwar sie ob meiner Person Seltsamkeit erstauneten, so durchstürmten sie doch meine Hütte, suchten, was da nicht zu finden war, und warfen die Bücher durcheinander, weil sie ihnen nichts taugten. Endlich sahen sie, als sie mich besser betrachteten, an meinen Federn, was vor einen schlechten Vogel sie gefangen hatten, und konnten leicht ihre Rechnung machen; doch verwunderten sie sich über mein hartes Leben. Ja, der Offizierer ehrte mich und begehrte gleichsam bittend, ich wolle ihm den Weg aus dem Wald weisen. Ich widerte mich nicht und führte sie am nächsten Weg dem Dorf zu.

Ehe wir aber vor den Wald kamen, sahen wir ungefähr zehn Bauren, deren ein Teil mit Feuerrohren bewehrt, die übrigen aber beschäftigt waren, etwas einzugraben. Die Musketierer schrieen: Halt! Halt! Jene aber antworteten mit den Rohren. Wie sie jedoch sahen, daß sie übermannet waren, gingen sie schnell durch. Die müden Soldaten konnten keinen ereilen, huben aber an auszugraben. Sie hatten wenig Streich getan, da hörten sie eine Stimme von unten herauf:

»O, ihr Erzbösewichter, vermeinet ihr wohl, daß der Himmel euer unchristliche Grausamkeit und Bubenstücke ungestraft hingehen lassen werde? Nein, eure Unmenschlichkeit soll vergolten werden.«

Hierüber sahen die Soldaten einander an, weil sie nicht wußten, was sie tun sollten. Etliche vermeinten, sie hätten ein Gespenst. Ich gedachte, es träume mir. Ihr Offizier hieß sie tapfer zu graben.