Sie kamen auf ein Faß, schlugens auf und fanden einen Kerl darin, der weder Nasen noch Ohren mehr hatte, gleichwohl noch lebte. Sobald er sich ein wenig ermunterte, erzählte er: Ihrer sechs seines Regiments, so auf Fourage gewesen, seien von den Bauren ergriffen worden. Sie hätten hintereinander stehen müssen, davon die ersten Fünf von einer Kugel tot geschossen worden seien, ihn aber, den letzten, habe die Kugel nicht mehr erlanget. Da hätten sie ihm Nase und Ohren abgeschnitten, zuvor aber ihn gezwungen, daß er ihrer fünfen (salva venia) den Hintern lecken müssen. Da er sich so gar geschmähet gesehen, hätte er ihnen die allerunnützesten Worte gegeben, der Hoffnung, es würde ihm etwan einer aus Ungeduld eine Kugel schenken, aber vergebens. Nachdem er sie so erbittert, hätten sie ihn in gegenwärtig Faß gesteckt und also lebendig begraben, sprechend: Weil er des Todes so eifrig begehre, wollten sie ihm zum Possen hierin nicht willfahren.

Indem kam eine andre Partei Soldaten den Wald herauf, sie hatten obgedachte Bauren angetroffen, fünf davon gefangen, die andern erschossen. Unter den gefangenen waren vier, denen der übel zugerichtete Reuter zuvor so schandlich hatte zu Willen sein müssen. Als nun beide Parteien erkannten einerlei Kriegsvolk zu sein, traten sie zusammen.

Da sollte man sein blaues Wunder gesehen haben, wie die Bauren getrillt wurden. Etliche wollten sie zwar in der ersten Furi totschießen, andere aber sagten: »Nein, man muß die leichtfertigen Vögel zuvor rechtschaffen quälen und ihnen eintränken, was sie diesem Reuter zu tun geheißen.« Dahingegen sagte ein anderer: »Dieser Kerl ist nichts wert, dann wäre er kein Bernheuter gewesen, so hätte er allen redlichen Soldaten zu Spott solch schändliche Arbeit nicht verrichtet, sondern wäre tausendmal lieber gestorben.« Endlich ward beschlossen, daß ein jeder von den sauber gemachten Bauren an zehn Soldaten wett mache, was er von dem Reuter empfangen, und darzu sagen sollte: ‚Hiermit lösche ich wieder aus und wische ab die Schande, die sich die Soldaten einbilden empfangen zu haben, als uns ein Bernheuter tat, wie ich ihnen tue.’

Darauf schritten sie zur Sache, aber die Bauren waren so halsstarrig, daß sie weder durch Verheißung des Lebens noch durch Marter dazu gezwungen werden konnten.

Einer führete den fünften Bauren, an dem der Reuter nicht schandbar geworden war, etwas beiseits und sagte zu ihm: »Wann du Gott und seine Heiligen verläugnen wilt, werde ich dich dahin laufen lassen, wohin du begehrest.« Der Bauer antwortete, er hätte sein Lebtag nichts auf Heilige gehalten und auch geringe Kundschaft mit Gott selbst gehabt. Schwur darauf solenniter, daß er Gott nicht kenne. Hierauf jagte ihm der Soldat eine Kugel an die Stirn, welche aber so viel effektuiert, als wann die an einen stählernen Berg gangen wäre. Also zuckte er seine Plempe und rief:

»Holla, bist du solch ein Schelm! Ich habe versprochen, dich laufen zu lassen, wohin du begehrest, so schicke ich dich nun ins höllische Reich, weil du nicht in den Himmel wilt!«

Und spaltete ihm damit den Kopf bis an die Zähne.

Indessen banden die andern Soldaten die vier übrigen Bauren mit Händen und Füßen an einen umgefallenen Baum so artlich, daß sie ihre Posteriora gerad in die Höhe kehrten. Nachdem sie den Bauren die Hosen abgezogen, nahmen sie etliche Klafter Lunten, machten Knöpfe daran und fidelten die armen Schelme also bis Haut und Fleisch ganz von dem Bein hinweg war. Mich aber ließen sie nach meiner Hütte gehen.

Da ich wieder heim kam, befand ich, daß mein Feuerzeug und ganzer Hausrat samt allem Vorrat an armseligen Speisen, die ich im Garten erzogen und auf den künftigen Winter vor mein Maul gesparet hatte, mir einander fort war. — Wo nun hinaus?

Überdas lagen mir die Sachen, so ich denselben Tag gehöret und gesehen, ohn Unterlaß im Sinn. Ich dachte nicht sowohl meiner Erhaltung nach als der Antipathia, die sich zwischen Soldaten und Bauren enthält. Ich meinte, es müßten ohnfehlbar zweierlei Menschen in der Welt sein, wilde und zahme, weil sie einander so grausam verfolgten.